Immigration – Separation und Integration

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Bronze, Dan Reisner, Israel

Bei der Diskussion um die Immigration wird fast selbstverständlich angenommen, dass die Immigranten genau die Jobs annehmen, die das alternde Deutschland braucht, und sich ohne jegliche Probleme in die deutsche Gesellschaft integrieren, wobei niemand genau weiß, wie diese Integration eigentlich aussehen soll.

Aus der Sicht der Immigranten sieht es aber ganz anders aus. Sie möchten ein Stück ihrer alten Heimat mitnehmen und siedeln sich bevorzugt in bestimmten Gegenden an, in denen sie Arbeit finden und ihnen Landsleute die Einarbeitung und das Leben in Deutschland leichter machen. Die polnischen Gastarbeiter kamen schon im letzten Jahrhundert ins Ruhrgebiet, die italienischen Gastarbeiter zogen bevorzugt in den Süden der Republik und die türkischen Gastarbeiter suchten die Nähe ihrer Landsleute u.a. weil sie ihre Religion ausüben wollten. Das hat viele praktische Vorteile besonders wenn man die Sprache das Ziellandes nicht spricht. Auf den deutschen Baustellen findet man heute kaum noch Bautrupps, die Deutsch miteinander sprechen, aber viele Teams die z.B. rumänisch, türkisch, russisch usw als „Amtssprache“ benutzen.  Allenfalls der Teamleiter ist einigermaßen der deutschen Sprache mächtig.

Durch Separation kann man offensichtlich viele Probleme in der Zusammenarbeit und im Zusammenleben vermeiden. Die deutschen Auswanderer in New York siedelten bevorzugt im Deutschländle  mit deutschen Schulen, Kinder- und Biergärten, im heutigen East Village. Noch heute bevorzugte Heimat der Intellektuellen! Das finden die Deutschen ganz in Ordnung. Wenn heute die Türken in Deutschland sich ähnlich organisieren, findet man das aber nicht mehr so toll.

Volks- und Religionsgruppen, die als Minderheit leben müssen, haben in der ganzen Welt ähnliche Probleme, die  nur durch sehr langwierige Entwicklungen gelöst werden können. In Deutschland wollte man im  Augsburger Religionsfrieden von 1555  katholische und reformierte Gläubige durch Umsiedlung trennen. Das hat aber nur teilweise funktioniert und mündete im dreißigjährigen Krieg.

Separation kann eine sehr gute Lösung für das Zusammenleben unterschiedlicher Gruppen sein. So wollten  die deutschen Siedler (Donauschwaben eigentlich aber meist Pfälzer), die im 17. und 18. Jahrhundert in Siwatz im heutigen Jugoslawien siedelten, von der Mehrheit der Serben etwas abgetrennt werden, da ein gedeihliches Zusammenleben  nicht möglich war (Der deutsche Kolonist, Joseph Eimann). In einer Petition an die österreichische Verwaltung wurden als Gründe u.a. genannt:

1. Können wir zwei Nationen nicht miteinander reden
2. Verursacht schon unsere Religion schon eine gänzliche Absonderung
5. Ihre Übermacht verursacht auch ohnehin eine sehr große Absonderung. Sie machen drei Teil und wir einen Teil aus. Kommt etwas zur Klage, so sieget natürlich der stärkere Teil.

Die Siedler schlugen vor, in einer großen Flurbereinigung die Güter der Serben aufzukaufen und dadurch die Deutschen von den Serben etwas zu trennen um die Konflikte zu entschärfen. Überraschenderweise willigte die Verwaltung in Wien ein, weil dadurch die Steuereinnahmen erhöht wurden.  Der Plan wurde ziemlich reibungslos umgesetzt und die verschiedenen Volksgruppen lebten selbst nach dem Zusammenbruch des Habsburger Reiches bis zum 2. Weltkrieg recht friedlich zusammen solange keine Störungen durch die Nationalpolitiker erfolgten. Als die Wahnvorstellung vom deutschen Großreich zusammenbrach, musste die deutsche Minderheit ähnlich wie die deutschen Minderheiten in den anderen Ostgebieten nach Deutschland flüchten und wurden dort als Protestanten in den katholischen Gebieten, auch weil sie schnell wieder Häuser undDonauschwaben-Siedungen aufbauten, wieder angefeindet. Obwohl die Flüchtlinge großen Anteil am Wiederaufbau der Bundesrepublik nach dem Krieg hatten, hat es meist zwei Generationen gedauert, bis sie in der deutschen Bevölkerung richtig integriert und z.B. als Mitglied in bayrischen Trachtenvereinen akzeptiert waren. Bei den deutschen Behörden gelten viele Ältere heute noch als Deutsche mit Migrationshintergrund!

Die meisten Konflikte auf der Welt auf dem Balkan, in Russland, Vorderen Orient, Afrika aber auch in Zentraleuropa haben ihre Wurzeln in der Rivalität von Volksgruppen und Religionen sowie der Unterdrückung von Minderheiten durch Mehrheiten. Europa hätte die Chance mit einem Europa der Regionen ein Modell für das friedliche und gedeihliche Zusammenleben unterschiedlicher Gruppen unter Wahrung der Menschenrechte zu schaffen. Hierfür müsste aber der „Stolz der Nationen“, der Ehrgeiz der Großpolitiker und der Egoismus der Menschen und ihrer Organisationen überwunden werden. Das wird sicher einige Generationen brauchen bis dieses Ziel in Reichweite gerät. Wir sollten aber schon heute anfangen die Bemühungen im eigenen Land und in der Welt aktiv mit „Schwarmintelligenz“ zu unterstützen.

Zumindest die zur Zeit vielgeschähte Schweiz hat ein Modell entwickelt, wie mehrere Volksgruppen mit unterschiedlicher Sprache, Religion usw mit Freiheit für die Bürger und mit hohem Lebensstandard zusammen leben können. Allerdings muss man ihnen auch die Freiheit zugestehen, ihr selbstgewähltes erfolgreiches Modell zu verteidigen.

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