Wahl2013 – IT Innovation in Deutschland am Beispiel CeBIT 2013

Alles in der Wolke

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Alljährlich findet die CeBIT, die größte Computermesse der Welt, in Hannover statt und wird von Politikern besonders der Kanzlerin Merkel gern als Plattform genutzt um zu zeigen, wie modern und fortschrittlich doch Deutschland speziell in der Informationstechnologie ist. Schaut man jedoch genauer hin, so sieht man daß auf der CeBIT zwar fast alle wichtigen IT Unternehmen der Welt vertreten sind, die in Deutschland vor allem ihre Produkte verkaufen wollen, die Beiträge der deutschen Firmen sind allerdings mehr als bescheiden. In der Consumer Elektronik, die heute den Markt bestimmt,  ist keine deutsche Firma mehr vertreten. In der Welt der Smartphones, der Tablets und der Apps ist die deutsche Industrie praktisch nicht relevant. Auch bei IT Dienstleistungen in der Cloud oder beim Internet der Dinge spielt die deutsche IT allenfalls eine Rolle als Distributor und Service für die Weltmarktführer. Allenfalls SAP versucht mit Firmensoftware Schritt zu halten. Dies wird jedoch immer schwieriger, weil die Consumer IT die Technologie und die Ansprüche der Kunden bestimmt.

Interessant ist aber wie sich sowohl die Politiker als auch die öffentlich rechtlichen Medien (bemerkenswerte Ausnahme CeBIT Artikel der Zeit) die Situation „schön trinken“. Technologien wie z.B. SmartHome, Smartphone Anwendungen wie CheckIn oder Bezahlen mit Handy sind eigentlich schon vor mehr als 10 Jahren auch in Deutschland entwickelt worden (schönes Beispiel das funktionierende, private  SmartHome des IBM SW Entwicklers Jochen Burkhardt im ZDF, Pervasive Computing [2001]).  SmartHome wird aber mal wieder von den Medien als Neuheiten präsentiert. Die einzige große Firma, die SmartHome in Deutschland aber in Produkte umgesetzt hat ist Miele – selbst Steve Jobs hat von seiner Miele Waschmaschine geschwärmt! Bei Air Berlin habe ich schon 2006 mit dem Handy eingecheckt – jetzt gibt es das auch bei Lufthansa. In Ermangelung wirklicher Neuheiten werden solche Funktionen aber im Fernsehen als Errungenschaften deutschen Erfindergeistes präsentiert. Die Sicherheitslobby in der deutschen IT versucht immer wieder, das Bezahlen als Neuheit zu positionieren (die Pleite mit der Geldkarte und der Gesundheitskarte hat man offensichtlich verdrängt) obwohl PayPal und Apple schon längst das Geschäftsfeld erobert haben.

Die Strukturen in Deutschland sind offensichtlich in Deutschland so verhärtet, dass innovative IT Systeme in Deutschland nicht auf den Markt gebracht werden können. Die Förderung wird von Bitkom und den universitären Forschungseinrichtungen bestimmt, die schon im letzten Jahrzehnt gezeigt haben, dass sie keine innovativen Systeme produzieren können. Allenfalls werden kleine Systemkomponenten auf den Markt gebracht. Geld verdienen damit aber die Systemanbieter wie Apple und Google. Wenn jetzt mit einem EU Programm kleine innovative Internet Firmen unterstützt werden sollen, die eine spezielle Webanwendung auf den Markt bringen wollen, dann zeigt dass, das die Politik nicht verstanden hat, wie der Wettbewerb in der IT funktioniert. Jahr für Jahr lädt die Kanzlerin zum Nationalen IT Gipfel (chen) ein, auf dem sich die Akteure gegenseitig versichern, wie toll eigentlich alles läuft. Tatsächlich fällt Deutschland in der IT immer weiter zurück.

Die IT Infrastruktur in Deutschland schwächelt auf mehreren Gebieten

  • Für den Ausbau der Netzinfrastruktur fehlt der Telekom das Geld und ein profitables Geschäftsmodell. Man versenkt das Geld der Bürger für die Infrastruktur lieber in unrentable Baumaßnahmen wie Stuttgart 21, Elbphilharmonie Hamburg, Flughafen Berlin, Hochspannungsleitungen (die man gar nicht braucht weil Windräder auf dem Meer wenig rentabel sind). Größere Datenmengen kann man dann vom Tiefbahnhof Stuttgart mit dem ICE nach München transportieren. Infrastruktur bedeutet in Deutschland noch immer Beton!
  • In den Schulen wird immer weniger Mathematik und Informationstechnik unterrichtet –  die Schüler können sich die Punkte fürs Abitur auch leichter woanders holen
  • Die Universitäten und Forschungseinrichtungen beschäftigen sich zum großen Teil in Kleingruppen mit irrelevanten Dingen und umständlichen Kooperationen auf EU Ebene. (Stellen Sie sich mal vor das iPhone wäre in einer EU Kooperation entwickelt worden)
  • Die jungen IT Fachkräfte hängen viel zu lange auf befristeten Stellen in den Universitäten herum um den Mangel in der IT Ausbildung zu lindern.
  • Die älteren Bürger (und Entscheidungsträger) und die Politik stehen neuer Technik meist skeptisch gegenüber. Für Technikfolgenabschätzung gibt es immer Forschungsgelder. Zitat KIT:(hier hat Frau Schavan ihre Nuklearforscher geparkt)   Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) erforscht wissenschaftliche und technische Entwicklungen in Bezug auf systemische Zusammenhänge und Technikfolgen. Umweltbezogene, ökonomische, soziale sowie politisch-institutionelle Fragestellungen stehen dabei im Mittelpunkt. Wesentliche Ziele sind die Orientierung der Forschungs- und Technikpolitik, die Einflussnahme auf die Gestaltung sozio-technischer Systeme im Hinblick etwa auf Kriterien nachhaltiger Entwicklung sowie die Durchführung diskursiver Verfahren zu offenen oder kontroversen technologiepolitischen Fragen. Die Ergebnisse der Forschung und Beratung sind öffentlich.
  • Die IT von Bund, Land und Gemeinden ist total veraltet. Selbst neue Systeme sind auf veralteten technischen Standards und veralteten Benutzerschnittstellen aufgebaut. Dadurch müssen die Systeme immer wieder neu entwickelt werden – eine geordnete Weiterentwicklung wie bei den Systemen der Industrie gibt es nicht. Die Möglichkeiten des Cloud Computing mit zentralen Diensten für alle Verwaltungsebenen wird nicht genutzt. Die IT Experten der Behörden würden zwar auch gerne vernünftig arbeiten. In Diskussionen fällt dann aber sehr schnell der Satz „das geht in einer Behörde nicht!. Warum eigentlich?
  • In der Regierung und im Bundesparlament gibt es keine Führungskräfte, die den komplexen Aufgaben der IT Infrastruktur und Innovation gewachsen wären (Beispiel die Besetzung des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie: Unser Ausschuss im Bundestag)

Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2013 spielen Themen wie Zukunftssicherung, Technologie und Infrastruktur praktisch keine Rolle. Die Diskussion wird dominiert von Umverteilern und Schenkern. Wie lange wird das wohl gut gehen?

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