IT Gipfel – wie immer geht’s bergab

Die Parteien in Deutschland haben ein gestörtes Verhältnis zu Zukunftsthemen der Wirtschaft. Die hoch gehandelten Zukunfsthemen wie Energiewende (wer will denn die Energie wenden) oder erneuerbare Energien (geht physikalisch gar nicht) führen kurz- und mittelfristig zu höheren Energiepreisen. Langfristig wird die dann billigere Energie wohl in Deutschland nicht mehr benötigt, weil es keine Fertigungsindustrie mehr gibt. Die Technologieführer im Energiebereich sind China bei Photovoltaik und Dänemark bei Windkraft. In Deutschland hat man die entscheidende Phase bei der Entwicklung neuer Technologien, nämlich dieMarkteinführung, schlicht verschlafen und anschließend Wind- und Solartechnologie durch zu hohe Fördergelder untauglich für den weltweiten Wettbewerb gemacht.

Ähnlich sieht es bei der Schlüsseltechnologie Informationstechnik (IT) aus. Hier veranstaltet die Bundesregierung zusammen mit der BITKOM schon seit Jahren einen IT Gipfel der aber eher ein Treffen von Verlierern am Abhang eines Berges kurz vor dem Steilabbruch ist. Hier kommen die üblichen Platzhirsche wie Siemens, Infineon, Nokia, SAP u.a. zusammen und erklären einmal mehr, warum Deutschland in der IT noch immer hinten liegt. Anschließend werden die üblichen Themen wie Sicherheit, Infrastruktur, eGovernment, eHealth diskutiert. IT für Kunden (Betriebssysteme, Facebook, Google, Twitter, Mobile Anwendungen …) wird auf dem IT Gipfel konsequenterweise gar nicht erwähnt. Deutschland spielt hier wirklich bei Forschung und Produkten keine Rolle. Geradezu wagemutig klingt es, wenn Innovative IT-Angebote des Staates angekündigt werden. Dabei fehlt aber die Reflektion darüber, warum aus all den schönen Projekten, die letztes Jahr diskutiert wurden, nichts geworden ist. (Versuchen Sie einmal mit Ihrem Personalausweis mit Chip eine sinnvolle Funktion zu finden!) Der letzte Schrei ist ein dreimonatiges Praktikum für Gründer im Silicon Valley (German Silicon Valley Accelerator). Ein formales Eingeständnis der eigenen Unvollkommenheit. Eigentlich müsste man da den Wirtschaftsminister Rösler und ein Dutzend Abgeordnete hinschicken. Ausbildung tut not. Die wenigen Kommentare der wirklich in der IT tätigen Mittelständler beklagen einen Wust von Bürokratie und Hindernissen für Gründer. Typisch ist, dass Firmengründungen steuerlich wesentlich unattraktiver sind als Spekulationen im Finanzbereich.

Ähnlich sieht es in der IT Forschung aus. SAP musste z.B. die heute wichtige Cloud Technologie in USA zukaufen. Die deutschen Universitäten haben den Trend mal wieder verschlafen und können sich mit ihren Forschungsgeldern nicht einmal eine für die Cloud Entwicklung geeignete Hardware kaufen. Die schnellen Netze, die man für die Anwendung der Cloud benötigt, werden in Deutschland sehr zögerlich vorangetrieben. Die Netzanbieter investieren nur, wenn wirklich Bedarf besteht. Anwendungen können sich aber nur etablieren wenn es schnelle Netze gibt. So blockiert man sich eben gegenseitig.  Zukunftssichere Glasfasernetze in der Fläche finder man eher in Estland oder Litauen.

In noch beklagenswerterem Zustand ist die IT in der Verwaltung. Hier gibt man sich damit zufrieden, dass deutsche Behörden dreimal effizienter arbeiten als griechische Behörden. In jedem gut geführtem kommerziellen Unternehmen wäre ein solche Zielsetzung ein Grund für eine Entlassung für den zuständigen Manager. Es gibt keine Initiative für eine einheitliche IT Infrastruktur mit der die Vielzahl der Behörden in Bund, Ländern und Gemeinden effizienter und billiger arbeiten könnte. Die Mitarbeiter der Behörden entwickeln zwar viele Eigeninitativen. Diese kommen aber spätestens dann zum Erliegen wenn diskutiert wird, wer denn nun den von mehreren Behörden/Ländern genutzten Server bezahlen soll. Es gibt weder eine Lenkung noch eine Finanzierung für bundesweite IT Projekte.

Eigentlich wäre der Innenausschuss des Parlaments dafür zuständig, die Regierung zu effizienterem Arbeiten anzuhalten. Schaut man sich aber die Besetzung des Innenausschusses an, so hat man wohl wenig Hoffnung auf Besserung. Man fragt sich wie lange sich Deutschland im globalen Wettberwerb noch erlauben kann, bei der Schlüsseltechnologie IT nur im Mittelfeld zu liegen. Auch hier gilt „Sparst du in der Zeit, kommst du schnell in Not.“ und „Bist du in der Not, dann hast Du keine Zeit“.

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