Strukturierte Finanzprodukte am Beispiel Memory-Express-Anleihe auf Daimler

Die Bankenindustrie versucht immer wieder, mit neuen „Produkten“, Geld zu verdienen und drohende Regelungen zu umgehen. Nach kurzer Zeit sind die typischen Produkte verbrannt (z.B. Verbriefungen ABS), das heißt die Kunden haben bemerkt, dass sie mit den angepriesenen Bankprodukten kein Geld verdienen oder gar ihr Geld verlieren, dann muss man schnell neue Produkte ankündigen bei denen der Kunde noch nicht bemerkt hat wie der Hase läuft. In den letzten Jahren haben die Banken mit internen Geschäften im Investment Banking viel Geld verdient. Im Prinzip wurde da mit dem Geld der Kunden, dem geliehenen Geld von der Zentralbank und mit ganz wenig eigenem Kapital auf Rechnung der Bank spekuliert. Nachdem sich das für die Bank wie zu erwarten als zu gefährlich herausgestellt hat (bei Spekulation gibt es nun einmal Gewinner und Verlierer) versucht man jetzt die Kundenspekulationen zu propagieren. Deshalb wollen die Banken, selbst die Deutsche Bank,  ihr Geld verstärkt im Private Banking verdienen. Das Risiko hat da der Kunde und die Bank und ihre Vertriebspartner kassieren hohe Gebühren und Teile des anfallenden Gewinns – die Verluste sollen die Kunden tragen.

Eine wesentliche Voraussetzung für dieses Geschäftsmodell sind niedrige Zinsen, die unter der Inflationsrate liegen. Wer also Geld für die Zukunft anlegen will, muss bei den Banken risikoreiche Produkte kaufen, die dem Kunden eine größere Rendite versprechen.

Ein schönes Beispiel für strukturierte Finanzprodukte ist die Memory-Express-Anleihe auf Daimler. Dieses Produkt wird von mehreren Banken angeboten  (z.B. LBBW, IngBank,  Bayern LB WKN: BLB0NZ ISIN: DE000BLB0NZ1), mit der man möglicherweise eine Rendite von 5% erreicht. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Wette auf den Kurs der Daimler Aktie. Da man den Kunden einredet, Aktien zu kaufen und gar nicht genügend Aktien am Markt verfügbar sind, schafft man Derivate (auf Aktien bezogene Wetten) mit denen dem Kunden suggeriert wird, er könnte am Aktienmarkt partizipieren.

Vereinfacht funktioniert die Wette wie folgt:

  • Der Kunde leiht der ausgebenden Bank z.B. 10 000 € für vier Jahre durch den Kauf von Memory-Express-Anleihen auf Daimler  (bei einem Aktienkurs Daimler von 40 € entspricht das 250 Aktien)
  • Steigt der Aktienkurs von Daimler in der Laufzeit der Anleihe über den Ausgabekurs, so erhält der Anleger seine 10 000 € zurück und eine Verzinsung von 5 % p.a.
  • Fällt die Daimler Akte, bleibt aber über 50% des Ausgabewertes, erhält der Anleger seine 5% p.a. Verzinsung und den Gegenwert der Aktien zum Stichtag. Der Anleger verliert also einen Teil seines Kapitals.
  • Fällt die Daimler Aktie unter 50% des Ausgabewertes oder geht der Anbieter der Anleihe (z. B. die Bayern LB) Pleite, so ist das Kapital des Anlegers verloren.

Wichtig ist für die Bank, dass der Kunde weder Aktien kauft noch nach Ablauf des Vertrages Aktien von der Bank zurück erhält. Anders als bei Kursspekulationen mit Aktien (z.B. Porsche/VW) muss die Bank nie Aktien zurück kaufen! Die Bank ist aber Besitzer der Aktien geworden, kann mit diesen spekulieren, kassiert die Dividende und kann die Aktien jederzeit verkaufen.

Es ist also ganz offensichtlich, dass hier zwei Parteien eine Wette abschließen. Der Käufer der Anleihe hofft auf einen Anstieg der Daimler Aktie, möchte aber das direkte Risiko nicht eingehen, obwohl z.B. Goldman Sachs annimmt, dass die Daimler Aktie um 150% steigt. Der Verkäufer der Anleihe befürchtet offensichtlich, dass die Daimler Aktie sinkt und möchte sich dagegen absichern (Hedging). Die ausgebende Bank verkauft beide Optionen an ihre Kunden. Allerdings ist nur der Handel im Euro Raum erlaubt, da das Produkt nur hierfür registriert ist. Im Verkaufsprospekt ist die Spekulation mit oder gegen die jeweiligen Kunden ausdrücklich erlaubt.

Man sieht hier wie wichtig der Erhalt des Euroraumes für diese Art von Geschäften ist. Die Einführung von Wechselkursen würde dieses Geschäft mit weiteren Risiken belasten. Man muss sich aber fragen, warum solche Spekulationen durch die EU Bankenaufsicht abgesegnet werden, die ohne Bezug zur Realwirtschaft große Unruhe an die Finanzmärkte bringen können. Ohne sehr gute Kontrolle wird man wohl nicht sicherstellen können, dass das einbezahlte Geld am Schluss wieder für die Auszahlung an die Kunden bereit steht. Das Volumen dieser Memory-Express Anleihen kann sehr groß sein, da dieser Typ von Anlage praktisch für alle großen Aktienwerte aufgelegt wird. Wer hat da noch die Übersicht und wer kontrolliert dieses Geschäft. Die Mannen von Herrn Schäuble kommen da mit ihrer Regulierung der Banken mal wieder zu spät.

Verblüffend ist auch, dass sich Banken wie die Bayern LB und die Landesbank Baden-Württemberg LBBW, die in der letzten Krise viel Geld des Steuerzahlers versenkt haben, schon wieder an diesen riskanten Geschäften beteiligen, die einen Keim für die nächste Krise legen.  Bei dieser Art von Geschäften lohnt es sich allerdings die Bank Pleite gehen zu lassen. Dann ist das Geld der Kunden wie im Prospekt angekündigt eben weg.

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