Finanz Irrsinn bei der LBBW in Stuttgart

Ein schönes Beispiel wie schizophren die Politiker in der Finanzwelt agieren, ist der Verkauf von 21 000 Wohnungen für 1,4 Milliarden € an die Immobilienfirma Patrizia (Konsortium). Die Wohnungen wurden auf Druck der EU (von wem in der EU?) verkauft. Mit dem Gewinn sollte das Eigenkapital der LBBW gestärkt und die Geschäftstätigkeit der LBBW im Immobilienmarkt beendet werden. Da ein Großteil der Wohnungen  in Stuttgart liegt, wollte die Stadt Stuttgart die Wohnungen kaufen.

Interessanterweise ist die Stadt Stuttgart mit 19% und das Land Baden-Württemberg mit 38% an der LBBW beteiligt. Die Stadt Stuttgart hat 2009 sogar zusätzlich 1 Milliarde € als stille Beteiligung in die LBBW gegeben!  Die Wohnungen gehören also eigentlich mehrheitlich der Stadt und dem Land Baden-Württemberg. Mit der Einnahme von 1,4 Milliarden € sollte das Eigenkapital der LBBW gestärkt werden. Da aber der Käufer das Konsortium Patrizia , wie bei solchen Fonds üblich nicht genügend Eigenkapital einschießt (man will ja hebeln), erhält Patrizia von der LBBW einen langfristigen Kredit  von 1 Milliarde €. Damit ist das eingenommene Geld langfristig gebunden und steht für kurzfristige Verluste nicht zur Verfügung. Die Zinsen für diesen Kredit sind sicher niedriger als vorher die Einnahmen aus der Vermietung der Wohnungen.

Die schwäbische Hausfrau stellt mit Verwunderung fest, dass eigentlich nur 400 Millionen € frei verfügbares Geld in die Kasse der LBBW geflossen ist. Dafür ist aber die Patrizia nun Eigentümer der Wohnungen. Einen solchen Handel würde ein Privatmann wohl nie abschließen.

Wer profitiert nun eigentlich von dem Handel?

  1. Die Teilhaber und Vertreter von Patrizia, welche die erworbenen Wohnungen an „Investoren“ verkaufen
  2. Die Angestellten und Vertreter der LBBW, die Boni für die Vermittlung der Kredite erhalten
  3. Die „Investoren“, die hohe Abschreibungen für die Wohnungen geltend machen können (und ihre Steuerbelastung verringern) und ihr virtuell geparktes Geld in Sachwerten anlegen können.

Wer sind die Verlierer:

  1.   Die Mieter der Wohnungen. Da die Wohnungen nach Verkauf „kleinsaniert“ werden, steigen die Mieten. Ältere Mieter werden in Altersheime gedrängt (wofür wieder Geld vom Staat benötigt wird).
  2. Die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg, die heimlich still und leise enteignet wurden und denen Steuereinnahmen entgehen.
  3. Die Stadt Stuttgart, die demnächst mehr Zuschüsse für die große Zahl von Hartzer Wohnungen bezahlen muss, da die Mieten nach der Renovierung angehoben werden.

Dass es auch anders geht zeigen die Bayern, deren Landesbank noch viel höhere Schulden gemacht hat als die LBBW. Mit ihrer „Mir san Mir“ Strategie werden die Bayern wohl gegen die EU Behörde gewinnen *. Die Rot/Grüne Landesregierung und die CDU im Stuttgarter Rathaus haben sich mal wieder als Finanztölpel profiliert. Man sollte wohl anstatt der Politiker einige schwäbische Hausfrauen in den Aufsichtsrat der LBBW schicken.

* Nachtrag April 2013: Auch die Stadt München hat gegen die Patrizia und ihre Geldgeber verloren. Die Wohnungen hat die Bayrische Landesbank für 2.5 Milliarden € an die Patrizia verkauft. Die CSU hat da den „roten“ Oberbürgermeister Uhde auflaufen lassen. Die Patrizia hat allerdings nur 58 Millionen € zum Kaufpreis beigetragen, hat aber jetzt das Sagen bei der Verwaltung der Wohnungen.

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