Der Niedergang der deutschen IT und TK Industrie

Während in Deutschland Automobil- und Maschinenbau zur Zeit florieren, sieht es bei Telekommunikation(TK) und Informations Technik(IT) ziemlich düster aus. In der Telekommunikation spricht schon niemand mehr von SEL/Alcatel und Siemens hat seine einst blühende Telekommunikationssparte zunächst zu Nokia ausgelagert, wo die Mitarbeiter jetzt nach bewährtem Muster abgewickelt werden. 2900 Mitarbeiter werden demnächst entlassen. Die deutschen Manager haben es offensichtlich nicht geschafft im hoch umkämpften Markt für Mobiltelephonie und Ausrüstung für das Internet mitzuhalten. Einer der wesentlichen Gründe ist, dass vor allem das höhere Management den Übergang von der alten Struktur des Monopol-Lieferanten, der seine Aufträge durch politisches Ränkespiel und offener Bestechung sicherte, zu einem durch Preise und Leistung definierten Markt, nicht geschafft hat. Hier ist aber nicht nur das Management schuld. Die Mitarbeiter bis ins mittlere Management haben mit der Devise „für uns wird es ja noch gut ausgehen“ freiwillig und unfreiwillig jahrelang mitgemacht. Meist wissen die Mitarbeiter schon Jahre vor der Pleite, dass das Unternehmen langfristig scheitern muss. Protestiert wird allerdings erst, wenn die eigene Entlassung droht. In der TK Industrie gibt es in Deutschland nur noch Käufer von TK (Telekom, Arcor, … ) und kleine Servicefirmen, die als Subkontraktor von den Global Players aus USA, Südkorea und China beschäftigt werden. Die Mitarbeiter dieser Firmen, häufig Freelancer und Zeitarbeiter, müssen täglich um ihr Jobs bangen. Nur an den Universitäten halten sich die Institute für die TK Forschung, die in Deutschland schon längst keine Abnehmer mehr findet. Die besten Institute machen Auftragsforschung für die Global TK Player. Der Anschluss an die moderne TK Industrie ist aber verloren. Man fragt sich da schon, warum der deutsche Steuerzahler, das noch bezahlen soll. Die Universitäten sind aber genauso unfähig zur Reform wie Siemens und SEL

Ähnlich sieht es in der IT Industrie aus. Allein SAP ist eine große deutsche Softwarefirma, die noch in Deutschland entwickelt. In der IT Technologie liegt aber SAP um Jahre zurück. Für die Cloud Technologie musste eine kleinere Firma in USA gekauft werden. Die moderne Real Time Datenbank-Plattform (Hana) von SAP kam mindesten 5 Jahre zu spät auf den Markt. In Deutschland gibt es praktisch keine Software Leute, die Cloud Technologie entwickeln und kommerziell betreiben können. Die Universitäten scheitern meist schon bei der Beschaffung von Hardware – dafür ist viel zu wenig Geld da. Die Betriebskosten mit Personal kann sich eine Universität schon gar nicht leisten. Aus Verzweiflung behaupten dann die Vorstände der Gesellschaft für Informatik (GI), dass die Grundlagenentwicklung wichtig sei und man sich mit der Einführung von Technologie in den Markt, ja nicht beschäftigen könne. Das ist durchaus richtig da die neuen IT Firmen (Microsoft, Apple, Facebook usw) in der Regel von Studienabbrechern gegründet werden, die von kenntnisreichen Venture Kapitalisten Kapital erhalten können. Deutsche Banken kennen sich allenfalls bei Basel II aber nicht bei Web 2.0 aus.

Die IT Industrie in Deutschland besteht zum großen Teil aus kleinen Firmen, die Software Services für die großen amerikanischen Firmen machen. Meist haben diese Firmen wenig festangestellte Mitarbeiter. Viele IT Entwickler schlagen sich als Freelancer von einem Job zum andern durch. Große Aufträge für moderne Software vom Staat gibt es nicht. Schon relativ kleine Projekte wie das System zur Hochschulzulassung scheitern höchst blamabel weil im Apparat nicht einmal Expertise zur Ausschreibung von Aufträgen vorhanden ist.

In diese Szenerie passt die Ankündigung von IBM, dass 8000 Mitarbeiter vor allem im Service entlassen werden sollen. Mit dem Konzept des „Liquid Service“ sollen nun freie Mitarbeiter die Arbeit der bisher angestellten Mitarbeiter machen. Sehr gute „Liquid Entwickler“ können etwa 100 000 $ im Jahr verdienen. Das ist aber relativ wenig, wenn man die Kranken- und Rentenversicherung, Reisekosten, Arbeitsplatz und Fortbildung aus eigener Tasche bezahlen muss und man nicht damit rechnen kann, dass man immer das ganze Jahr über Arbeit hat. Hört man diese Nachricht so kann man den Industrieverbänden und Politik nicht mehr glauben, dass in Deutschland Tausende von IT Entwicklern gebraucht werden.  Jetzt könnte man sich ja bei den entlassenen IBM Angestellten bedienen.

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4 Antworten zu Der Niedergang der deutschen IT und TK Industrie

  1. portaleco schreibt:

    Insider Informationen aus der Industrie gibt es höchst selten. Die IT Arbeiter sind entweder bei einem Unternehmen angestellt oder arbeiten als Freelancer und müssen Rücksicht auf ihren Arbeitgeber und ihre Kunden nehmen. Die Mitarbeiter engagieren sich auch politisch nicht weil sie sich nach 10 Stunden typischer täglicher Arbeitszeit wohl eine Auszeit genehmigen. Schaut man sich z.B. die Landesliste der Grünen in Baden-Württemberg für die Bundestagswahl 2013 an, so findet man vier Sozialpädagogen und mehrere Studenten and Jungabsolventen der Politikwissenschaft und Juristerei. Von den 14 aussichtsreichen Kandidaten auf der Landesliste hat kein einziger sein Brot in einem Industrie Unternehmen verdient! Wen wundert es dann wenn die Politik diesen Teil der Gesellschaft völlig ignoriert, der das Geld für die offenen Hände der staatlichen Organe verdient.

  2. IT_Unternehmer schreibt:

    Solch einen Artikel liest man in den Mainstream Medien nicht, kann diesen aber voll und ganz unterschreiben, viele Kollegen sind schon emigriert oder haben resigniert aufgegeben.

  3. Dan Egan schreibt:

    This was a painful read. Was this translated by machine?

    • portaleco schreibt:

      Yes, this blog is written in German. It’s amazing how good machine translation works today. However, translating German to English is pretty complicated. Neverthelss you got the hard message. Unfortunately all the progress in SW technology has not improved the standing of software engineers. Having worked in the SW industry as developer and manager it’s pretty hard to see more and more money being redirected from the working people to the financial industry.They care more for the politicians than the software engineers do.

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