Nur echte Innovation schafft reales Wachstum – wo?

Nicht nur die Gesetze des Marktes beherrschen in unserer Zeit den Menschen, sondern auch die Enwicklung der Wissenschaft und Technik. Erich Fromm, The Sane Society, 1955

Unsere Gesellschaft ist auf Wachstum aufgebaut. Nur wenn es dem Großteil der Gesellschaft immer besser geht, sind wir mit dem bestehenden System zufrieden. Signifikantes reales Wachstum haben die Menschen nur erreicht, wenn neue Technologien zum Einsatz kamen. Nicht umsonst sprechen wir von Stein-, Bronze- oder Eisenzeit. Die Erfindung der Dampfmaschine und in deren Gefolge Eisenbahn und Dampfschiffahrt, der elektrischen Maschinen, der Elektriziätsnetzwerke  sowie des Automobils haben die Produktivität im 19. Jahrhundert wesentlich erhöht und zu einem besseren Leben für alle Mitglieder der Gesellschaft geführt. In den letzten zehn Jahren hat die Politik das mangelnde reale Wachstum aber durch mit Schulden finanziertes Wachstum ersetzt. Die Schuldenaufnahme entsprach ziemlich genau dem ausgewiesenen Wachstum. Offensichtlich kann man mit dieser Strategie nicht sehr lange arbeiten.

Die wesentliche Innovation der letzten vierzig Jahre war die Computer- und Kommunikationstechnik (IT). Dabei wurden nicht nur neue Geräte für Enverbraucher erfunden, sondern fast alle Wirtschaftszweige konnten von der exponentiell ansteigenden Leistungsfähigkeit der Computer profitieren. Schnellere, billigere und bessere Entwürfe und die Entwicklung neuer Geräte und Verfahren wurde durch die IT ermöglicht. Die Telekommnikation erlaubte eine bis dahin nicht dagewesene Optimierung der Produktions- und Vermarktungsprozesse bis hin zum Enkunden.

Die IT wurde zwar in Deutschland miterfunden, die Weiterentwicklung fand und findet aber in den USA statt. Deutsche Firmen wie SAP sind allenfalls in Nischen erfolgreich und müssen sich heute das Knowhow z.B. zum Cloud Computing über Firmenzukäufe in USA hereinholen. Die deutschen Telekommunikationsindustrie gibt es praktisch nicht mehr. Firmen wie Siemens, SEL u.a. sind vom Markt verschwunden, während US IT Firmen wie Apple, Google, IBM und Microsoft es geschafft haben auch ohne Krieg in die Liste der 10 wertvollsten Unternehmen zu kommen. Dies liegt u.a. daran, dass selbst sehr gute Software Ingenieure in Deutschlands Firmen schlechter bezahlt werden als z.B. Kaufleute. Wer nicht wie Google exzellent zahlt bekommt auch keine exzellenten Leute.  Alle Software zur Erstellung von Software für Embedded Geräte (Maschinen, Autos, … ) kommt aus USA. In Deutschland sind allenfalls kleinere Firmen aktiv, die diese Software verkaufen und warten. Die hohe Innovationskraft der USA sind ein wesentlicher Grund dafür, dass die Finanzmärkte über die Lage in den USA trotz höherer Schulden weniger besorgt sind als über die Lage in Europa.

Im Jahr 2012 scheint die IT Technik trotz Google und Facebook weitgehend ausgereizt. Es gibt zwar noch Weiterentwicklungen, doch diese ähneln immer mehr der kontinuierlichen Innovation wie wir sie z.B. in der Automobilindustrie kennen. Ein Auto in USA hatte z.B. 1970 schon alle Eigenschaften moderner Automobile wie z.B.  automatische Schaltung, Servolenkung, Klimaanlage, Sicherheitsgurte usw. Eigentlich ist nur die Elektronik und der Computer im heutigen Auto neu.

Wachstum kann man auch erreichen, indem große Firmen wachsen, die Produkte günstiger herstellen und vermarkten können als kleinere Betriebe. Im Moment beobachten wir aber, dass die großen Betriebe(die vor allem im Krieg gewachsen sind wie Krupp, Siemens, VW, Daimler, BMW, Boss usw ) zwar bei Umsatz und Gewinn inkrementell zulegen aber immer weniger Menschen beschäftigen und dadurch auch weniger zum Steueraufkommen in Deutschland beitragen. Auch bei der Entwicklung wachsen die Bäume der Ingenieure nicht in den Himmel.  Automobile werden zunehmend aus standardisierten Baugruppen ähnlich wie bei der Software hergestellt und in vielen Modellen auch bei der Konkurrenz eingebaut. Die innovativen Baugruppen der Autoelektronik  werden bei billigen Modellen heute sogar eher eingesetzt als in Luxusautomobilen.

Als neuer Hoffnungsträger gelten die „grünen“ Technologien zur Energieerzeugung, Abfallvermeidung und -beseitigung oder Technologien zur Energieeinsparung. Dabei wird meist vergessen, dass die „grünen“ Technologien anders als die IT die Produkte z.B. Energie nicht billiger sondern teurer machen! Man kann also diese Produkte also nur an wenige Leute verkaufen, die sich diesen Luxus als Statussymbol leisten können (ähnlich wie Luxusautomobile). Techniken zur Enerieeinsparung haben das Problem, dass zunächst hohe Investitionen notwendig sind, bevor man Energie einsparen kann. Auch hier gibt es nur wenige Kunden, die sich das leisten können und wollen. Es handelt sich hier auch nicht um „Hochtechnologie“ wie z.B. bei Computer Chips. Die Produkte können relativ schnell und meist billiger von den Konkurrenten am Weltmarkt produziert werden. Ein schönes Beispiel sind hei die Solarmodule, die in China mit deutschen Maschinen billiger hergestellt werden als in Deutschland. Die Technologie kommt zwar aus Deutschland bringt aber wenig Umsatz und Arbeitsplätze in Deutschland.

Die deutsche Gesellschaft und die Politik sind eigentlich innovationsfeindlich und setzen auf die kontinuierliche Weiterentwicklung bestehender Technologien. Das ist grundsätzlich nicht falsch, weiß doch jeder Verkäufer, dass es viel schwieriger ist einen neuen Kunden zu finden als einem alten Kunden zusätzlich etwas zu verkaufen. Das geht meist eine Zeitlang gut, führt dann aber sehr schnell zum Untergang. Davon kann die Kommunikationssparte von Siemens ein Lied singen. Die Förderung der alten Technologien (z.B. Abwrackprämie) ist grundsätzlich falsch und verhindert notwendige Anpassungsprozesse. Auch die Förderung ineffizienter Solartechnik durch Zwangsumlagen der Verbraucher hat in eine Sackgasse geführt. Im öffentlichen Dienst wird viel zu wenig investiert, um die Zahl der Beschäftigten durch IT Prozesse ähnlich wie in der Industrie zu verringern und die Verwaltung effektiver zu machen. Hier könnte man eine ähnliche Erfolgsstory bei den öffentlichen Verwaltungen in vielen Ländern wie SAP bei den Unternehmen erreichen, wenn man Verwaltungsknowhow mit moderner IT z.B. mit Cloud Anwendungen kombinieren könnte. Schaut man sich die deutschen IT  Desaster in der Verwaltung (Finanzamt, Vergabe der Studienplätze, …) an, so hat man wenig Hoffnung, dass daraus Wachstum generiert werden könnte.

Die Politik sollte sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren, z.B. die Ausbildung einer technologischen Elite an Schulen und Universitäten, die bereit ist in existierenden aber auch neuen Unternehmen innovative Technologien voranzutreiben und auf den Markt zu bringen. Im Moment liegt der Schwerpunkt der Bildungspolitik eher bei der Erhöhung der Studentenzahlen und möglichst langem Aufenthalt an der Universität (z.B. als Juniorprofessor). Zur Förderung echter Innovationen braucht es auch neue Anreize für Risikokapital von Investoren. Es muss sich mehr lohnen, sein erspartes Geld mit Risiko in ein Unternehmen zu stecken, als mit dem Geld in der Finanzwelt zu zocken. Ein Anfang wäre gemacht, wenn Verluste aus Finanzgeschäften nicht mehr von der Steuer abgeschrieben werden können (man kann auch keine Verluste beim Lottospiel geltend machen!) und dafür Gewinne aus Realunternehmen geringer besteuert würden. Der Staat sollte sich dabei aber nicht einmischen in welche Technologien und Märkte investiert wird. Ideologien haben in der Wirtschaft noch nie zum Erfolg geführt. Der finanzielle Spielraum des Staates ist auch so gering, dass er weder Technologie- noch Marktentwicklung beeinflussen kann. Dazu braucht man sich nur mal ansehen wieviel Geld bei Bund und Land für die Wirtschaftsförderung ausgegeben werden kann. Das langt allenfalls für einen großen Brüderle Stammtisch – wenig effektiv aber lustig.

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