Think big Stuttgart!

Seit Jahren ist Stuttgart auf das Bauen als Wachstum in der Stadt fixiert. Mit typischem Stuttgarter Kleingeist wird ein Bürogebäude nach dem anderen gebaut und mit ein paar öffentlichen Gebäuden und Einkaufszentren geschmückt, als ob man nicht schon heute in Stuttgart genügend Fummel und Schuhe kaufen könnte. Als Ergänzung dieser Monostruktur sieht man dann eine IKEA Filiale in der Innenstadt. Der private Wohnungsbau war jahrelang vom Netzwerk Häussler mit seinen Unterstützern im Rathaus und Gemeinderat geprägt. Als Krönung der Tätigkeit der Betonköpfe werden nun mit S21 Milliarden im Boden versenkt.

Dabei ist allgemeiner Konsens das Wachstum und Wohlergehen der Stadt von den exzellenten Köpfen abhängen wird. Nur mit exzellenten Köpfen werden sich neue Betätigungs- und Einkommensfelder in der Stadt auftun.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist ein wesentlicher Innovations-Motor von Stuttgart, die technische Hochschule, in die Bedeutungslosigkeit versunken. Die beliebten Hochschulrankings und die Exzellenzunis von Schavans Gnaden sind als Gradmesser für die Qualität einer Universität sicher problematisch. Bedenklich stimmt es allerdings, wenn in einer von deutschen Personalchefs erstellten Liste der beliebtesten Universitäten die Universität Stuttgart gar nicht auftaucht. Dabei finden sich mit Karlsruhe (KIT Platz 2 und Uni), Uni Mannheim und den ehemaligen Fachhochschulen in Esslingen, Reutlingen und Pforzheim durchaus auch Institute aus dem Ländle. Die Stuttgarter Hochschule der Medien hat es immerhin auf Platz 18 geschafft. Die große Universität Stuttgart ist aber im Niemandsland, obwohl einige Institute noch immer einen sehr guten Ruf in der Industrie haben. Im Sumpf der weichen Studiengänge ist der im Neudeutsch übliche „Markenkern“ verloren gegangen. Dies hat sehr viel mit der CDU von Erwin Teufel und seiner Akademikerfeindlichkeit zu tun. Für ihn hat es ja auch gereicht, um mit der Ausbildung vom Haigerlocher Verwaltungsschüle Karriere zu machen. Erwin Teufels Generation musste auch nicht mit der globalen Konkurrenz aus China und Asien kämpfen. Es genügte ja wenn man seine Parteifreunde besiegte.

Stuttgart braucht aber dringend einige Ideen, wie man den Wohlstand in der Regionen halten will. Man kann nur hoffen, dass das Automobilumfeld weiterhin einen wesentlichen Beitrag für Stuttgarter Arbeitsplätze leistet. Das Wachstum der Autoindustrie und der Zulieferer wird aber in Zukunft wohl nicht mehr in Stuttgart stattfinden.

Anstatt sich nach spektakulären Bauprojekten zu orientieren (ist die Oper in Hamburg da ein Vorbild für Stuttgart?) sollte man sich in Stuttgart umsehen wie anderswo Stadtentwicklung ohne Beton gemacht wird oder noch besser selbst die Initiative ergreifen. Interessant ist z.B. der Plan Stadt New York auf einer großen Industriebrache eine renommierte private Hochschule anzusiedeln, die als Nukleus für Start Ups und Ansiedlung erfolgreicher Firmen dienen soll.

Bevor die Stadt den hiesigen Architekten erlaubt, die frei werdenden Flächen mit Ökohäusern für die Parkschützer und die K21 Rentner zu bebauen und sich damit die Zukunft verbaut, sollte man sich überlegen wie die Stuttgarter Bürger in 20 Jahren ihr Geld verdienen können. Wenn sich dann herausstellt, dass die Fachkräfte aus China und Indien gerne in Stuttgarts Kessel wohnen (die mögen es ja warm) und mit dem eAuto in die umliegenden Gemeinden oder mit der Bahn nach München, Frankfurt und Zürich fahren, dann kann man noch immer die jetzige Planung umsetzen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sich die Stuttgarter mit ihrem Kleinmut die Zukunft verbauen.

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2 Antworten zu Think big Stuttgart!

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