Die Zukunft der Zulieferindustrie – Beispiel Balda

Die IHK Stuttgart moniert zu Recht die mangelnde Innovationskraft von Automobilzulieferern im Raum Stuttgart. Die Studie wurde vom Fraunhofer Institut nicht ganz selbstlos erstellt. Man erhofft sich, dass das Fraunhofer Institut vermehrt Aufträge bekommt, wenn die Zulieferer mehr Forschungs- und Entwicklungsaufträge vergeben.  Speziell die Automobilzulieferer in der Region Stuttgart sind mehrfach bedroht

  • Bei der Umstellung auf Hybrid- und Elektroantriebe werden viele hochwertige Komponenten der traditionellen Zulieferer nicht mehr gebraucht.
  • Mit der „Plattform“ Strategie der Automobilhersteller wird weniger Entwicklungsarbeit benötigt und die Losgrößen werden für viele kleinere Hersteller zu groß.
  • Durch die Kooperation der Automobilhersteller werden ganze Baugruppen in Zukunft in großen Stückzahlen im Ausland gebaut
  • Neue Entwicklungen inklusive Forschung erfordern viel Risikokapital, das für mehrere Jahre zur Verfügung stehen muss, bevor mit neuen Produkten Geld verdient wird. Der Kapitalmarkt in Deutschland gibt aber kein Risikokapital her. Man investiert lieber in eigentlich unwirtschaftliche Solaranlagen auf den Dächern, die durch staatlich verordnete Zwangsabgaben eine garantierte Rendite abwerfen. Dieses Problem des fehlenden Risiokokapials wird natürlich von der Fraunhofer Gesellschaft gerne klein geredet. Man ist ja selbst Teil des Problems.

Die Balda AG zeigt beispielhaft wie die Probleme der Zulieferer gelöst werden können. Balda liefert den Touchscreen für das iPhone und Technologie für PADs und Bedienungspanele der Zukunft. Wie hat es Balda geschafft sich einen neuen Markt zu erobern?

Die Firma Balda wurde 1908 in Dresden als Feinmechanikunternehmen gegründet und baute u.a. Kameras. Nach dem Krieg machte der Besitzer Max Baldweg „rüber“ (Technologietransfer in den Kohlenpott!) und gründete ein Kamerawerk in Bünde, Westfalen, das bis 1987 Kameras produzierte.  In der Historie der Balda AG   sieht man deutlich die Krisen, die das Unternehmen durchmachte. 1994 war eine komplette Änderung der Strategie notwendig. Man setzte aber weiterhin auf die Kernkompetenz Feinmechanik (inklusive Mitarbeiter) und ergänzte das Portofolio durch Technologien, die aus dem Forschungsumfeld für Halbleiter in Dresden kamen. Man produzierte nun Teile für den wachsenden Markt für Mobiltelefone und nutzte die Kenntnisse in der Feinmechanik für die Konstruktion von Kleinteilen und der zugehörigen Formen für die Massenproduktion. Die Leitung übernahmen hungrige „Ossis“, die nicht als Student im Ausland geschnuppert, sondern Arbeitserfahrung im fernen Osten machten (ähnlich wie einst Gottlieb Daimler). Die Finanzierung der Firma erfolgte hauptsächlich mit Geldern aus dem fernen Osten. Das sieht man auch daran, dass heute in Deutschland nur die Hightech Entwicklung mit etwa 220 Mitarbeitern sitzt und die Werke mit etwa 2200 Mitarbeitern im Fernen Osten liegen und zum großen Teil auch den Finanziers gehören. Im Aufsichtsrat von Balda sitzen keine abgehalfterten Politiker sondern die Finanziers aus dem Osten und ein Innovationslieferant für die Touchscreen Technologie aus USA.

Das Beispiel Balda zeigt, dass man heute mit Kirchturmpolitik in Forschung und Wirtschaft nicht weit kommt. Man muss sowohl bei der Technik als auch bei der Finanzierung global agieren. Mit der Unterstützung unserer maroden deutschen Hochschulforschung und der lokalen Banken wird man wohl nicht weit kommen. Die Pläne der neuen Grün/Roten Landesregierung in Baden-Württemberg zum Thema Existentgründung (Koalitionsvertrag S. 27) werden wohl neue bürokratische Instanzen hervorbringen. Sie zeigen aber, dass die neue Landesregierung ebensowenig von Innovation in der Wirtschaft versteht wie die alte Landesregierung. Zumindest ist hier Kontinuität gewahrt siehe Auszug aus dem Koalitionsvertrag der Rot/Grünen Landesregierung 2011. Ob chinesische Investoren bei diesen Plänen als Unternehmer mit Migrationshintergrund gelten, wird sich zeigen.

Existenzgründungen forcieren
Wir streben eine Revision der Existenzgründungspolitik des Landes an. Baden-Württembergs Ruf als Gründungsland muss neu belebt werden, denn wir wollen einen neue Gründerwelle im Land in Gang setzen. Wichtige Instrumente sind die Schaffung eines nachfrageorientierten Systems mit Beratungsgutscheinen für Existenzgründerinnen und Existenzgründer, eine Erhöhung des Angebots an Mikrokrediten, ein besseres Angebot an Beratungseinrichtungen sowie ein ausreichend ausgestatteter High-Tech-Wagniskapitalfonds. Dabei werden wir prüfen, welche bürokratischen
Hürden einer Existenzgründung im Wege stehen und dazu beitragen, dass diese beseitigt werden. Wir werden für eine ausreichende Finanzierung und den flächendeckenden Ausbau der Kontaktstellen Frau und Beruf sorgen, Unterstützung beim Aufbau von Gründerinnen- und Gründer-Netzwerken leisten und dafür Sorge tragen, dass Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund für ihre Unternehmungen die gleiche Unterstützung erfahren. „

Es muss allerdings bezweifelt werden dass man in der heutigen Technologielandschaft mit „Forschungsgutscheinen“ von 10 k€ und Zuschüssen zur Forschungsbürokratie in Netzwerken von einigen Millionen aus dem Landesetat überhaupt etwas bewegen kann. Die Pleiten der Solar Start-Ups in Deutschland zeigen deutlich wie man es nicht machen sollte.

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