Die S21 Falle – Stiftung Rosenstein

Stuttgart erlebt gerade mit S21 eine Fiasko im Management von langfristigen Großprojekten. Die Ursache des Problems war ein Beschluss einiger Herren sicher in Vierteleslaune, der eigentlich unsinnig war. Gegen diesen Beschluss und die Folgen kämpfen die S21 Gegner bis heute an. Nun begehen sie den gleichen Fehler. Herr Geißler und einige Sozialschwärmer zauberten die Stiftung Rosenstein aus dem Hut, die dafür sorgen soll dass eine „soziale“ Durchmischung im neu gewonnen Baugebiet Rosenstein (große Flächen werden auch ohne S21 frei) gesichert ist. Gedacht war wohl, dass die Baumbesetzer in neue Nullenergie Sozialwohnungen gegenüber ihrem Lieblingsbaum einziehen können. Dieser Beschluss ist ähnlich töricht wie der S21 Beschluss und ist natürlich ohne die Betroffenen (weder die Investoren noch die künftigen Bewohner) zu fragen erfolgt. Sicher ist es unsinnig neue Sozialwohnungen in Stuttgart zu bauen, wenn ein großer Bestand an Altwohnungen mit geringen Kosten auf einen adequaten Standard gebracht werden kann. Vielleicht wollen die finanziell schwach gestellten Bevölkerungsgruppen gar nicht in der Innenstadt wohnen, wo sie keine Chance haben eine Beschäftigung zu erhalten.

Richtig wäre es eine Stufenplan zu entwickeln wie man es bei Großprojekten in der Industrie macht. Vielleicht sollte man mal beim Bosch vorbeigehen und sich erklären lassen wie das geht. Typisch laufen große Projekte in mindestens drei Phasen ab. In Phase 1 werden Ziele formuliert und ein Plan erarbeitet. Hierfür braucht man einen Verantwortlichen (Sponsor) und eine gewisse feste Menge an Geld- und Personal.  Bei Projekten mit öffentlichen Geldern kann man diese Verantwortung nicht einfach an Untergebene oder an die Privatindustrie delegieren – die Arbeit können ja trotzdem die Spezialisten machen. Man sollte sich auch bewußt sein, dass man die Kosten von Phase 1 voll abschreiben muss, wenn diese Phase nicht die Ergebnisse liefert, die man erwartet. In der Phase 1 kann auch herauskommen, dass das Projekt kompletter Unsinn ist. In  Phase 2 erfolgt dann eine detaillierte Planung und eine Kostenschätzung, die ziemlich genau sein muss z.B. +- 10% Abweichung bei den Endkosten. Auch hier kann es passieren, dass das Projekt gestoppt wird z.B. wegen zu hoher Kosten oder weil sich die Randbedingungen geändert haben. Typisch fallen bei Großprojekten bereits 10 % der Endkosten in dieser Phase 2 an. Man muss den Mut haben diese Ausstiegskosten auch am Anfang des Projekts zu definieren und zu akzeptieren.  Auch in der Phase 3 kann ein Projekt total aus dem Ruder laufen und muss eventuell mit hohem finanziellem Verlust gestoppt werden. Wichtig ist, dass nach jeder Projektphase wirklich unabhängige Sachverständige, die Projekte überprüfen und auch die Bürger eine Möglichkeit haben, ihre Meinung einzubringen. Die Beteiligten und Initiatoren müssen ja Kraft Amt das immer gut finden, was sie gerade machen.

Ein Manager, der in der Industrie sein Projekt als alternativlos darstellt, wie es in der Politik gerne gemacht wird, kommt in einem seriösen Unternehmen nicht weit. Wird allerdings in Unternehmen Politik gemacht (wie die Chrysler Übernahme von Daimler) dann kann das auch schief laufen. Mit einem geordneten Phasenprozess hat man aber wesentlich bessere Chancen, dass auch Großprojekte erfolgreich durchgeführt werden können.

Ein solches Verfahren, dass die heute üblichen Verfahren in der Verwaltung ersetzen oder ergänzen kann, erfordert natürlich ein Grundvertrauen der Beteilgten, dass offen und ehrlich gespielt wird. Dieses Vertrauen zwischen Politik, Verwaltung und Bevölkerung ist im Moment aber wohl nicht vorhanden. Es braucht wohl einen Neuanfang mit neuen Gesichtern und neuen Willen sich erreichbare Ziele zu setzen und daran ehrlich zu arbeiten.

Für solche Prozesse braucht man sicher auch kompetente Projektmanager. Diese sind aber meist nur an neuen Aufträgen interessiert, egal wie sinnlos sie auch sind. Die Projektmanager der Stadt Stuttgart für S21 haben noch ein paar Wochen vor dem Eklat signalisiert, dass das Projekt im grünen Bereich ist,  wohl die Bosse das so wollten. Wer Unsinn bezahlt, schafft Unsinn an.

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