Niedrige Steuern in USA – ein Märchen

Die sogenannten Freien Demokraten und speziell ihr Platzhirsch Guido Westerwelle werden nicht müde immer wieder speziell auf die hohe Steuerbelastung des Mittelstandes in Deutschland hinzuweisen, wobei dann gerne auf die niedrigen Steuern in USA verwiesen wird. Dabei wird gerne vergessen, dass in USA neben der Einkommenssteuer auch eine hohe Grundsteuer (Property Tax) sowie Erbschaftssteuer bezahlt werden muss und dass eine gute Ausbildung, die es in Deutschland quasi umsonst gibt, sehr viel Geld kostet. Vergleicht man eine typische obere Mittelstandsfamilie mit gutem Einkommen und mit zwei begabten Kindern, die eine Hochschulasubildung erhalten sollen, so relativieren sich die Steuern sehr schnell. Sollen die Kinder eine gute Schule besuchen, muss man in eine „gute“ Gegend ziehen, in der man gut 10% des Familieneinkommens für die Grundsteuer ausgeben muss (Beispiel Yorktown Heights im Norden von New York mit einem mittleren Familieneinkommen von 108 000 $ und einer mittleren Property Tax von etwa 11 000 $). Einen guten Teil dieses Geldes gibt die Gemeinde für die Schulen aus – dafür ist die Gemeindeverwaltung extrem schlank! Die Bürger sind stark daran interessiert, daß die Schule in ihrer Gemeinde gut ist, sonst fallen nämlich die Preise für die Immobilien sehr schnell. In Lage und Ausstattung vergleichbare Häuser kosten in einem guten Schuldistrikt leicht das Doppelte!  Ein schlechter Schuldirektor kann eine Gemeinde zig Millionen an jährlichem Wertverlust der Immobilien kosten. Kein Wunder dass gute Schuldirektoren auch einige 100 000 $ im Jahr verdienen können.

Sind die Kinder begabt und möchte man ihnen einen Universitätsabschluss, vergleichbar z.B. mit dem Abschluss einer guten Universität in Deutschland, zukommen lassen, dann kostet bereits ein Bachelor Degree etwa 200 000 $. Ein Master mit Ph.D. (Dr.) Abschluss kostet dann locker nochmal 300 000 $.  Sehr begabte Studenten können in USA zwar Stipendien erhalten oder an den Militär-Hochschulen ohne Kosten studieren. Dieser Weg steht aber nur sehr wenigen hoch begabten und hoch motivierten Studenten offen.

Realistisch werden in Deutschland für einen gut ausgebildeten Jungakademiker bis zu seinem Berufsstart und der ersten Steuerzahlung wohl etwa 300 000 € von der Steuer zahlenden Gemeinschaft investiert. Es ist also keinesfalls so, dass die Jungen für die Renten der Alten bezahlen müssen. Man kann die Steuern und Sozialumlagen auch als Tilgung für den bereits erhaltenen Ausbildungskredit sehen.

Wirklich niedrige Steuern zahlen in USA Mittelständler nur, wenn sie keine Kinder haben und damit die Kosten der Ausbildung und die Grundsteuer in einem guten Schulbezirk vermeiden. Superreiche, die diese Kosten aus der Portokasse bezahlen können, werden in USA zur Lebenszeit geschont. Dafür fallen dann aber beim Ableben locker 50% Erbschaftssteuer an. Diese Idee hat unser Steuersparer Guido aber noch nie verfolgt.

Den Steuern können sich US Bürger anders als in Deutschland auch nicht durch Auswanderung oder Annahme einer anderen Staatsbürgerschaft entziehen. Eine solche Aktion wird als Verkauf des Eigentums gewertet und wird mit einer exit tax sofort hoch besteuert. Einer der Gründer von Facebook möchte darum schnell nicht mehr US Bürger sein, bevor er durch den Börsengang von Facebook wirklich reich wird. Darum bleiben Bill Gates und seine Freunde auch gerne US Bürger und transferieren ihr Vermögen in Stiftungen, bevor ihr Geld in den Tiefen der US Politik und Bürokratie versickert.

PS Hartnäckig wird in der Politik und der Presse auch immer die im Vergleich zu USA wesentlich höhere Staatsquote in Deutschland betont. Der Unterschied wird aber zum großen Teil durch die Sozialausgaben in Deutschland verursacht. In Wirklichkeit sind die vom Staat gelenkten Ausgaben z.B. 2010 in Deutschland  46 % vom BIP und in USA 43.2% vom BIP. Das ist bei all den Ungenauigkeiten, die beim Erfassen der Staatsausgaben und des BIPs eingehen, sicher vernachlässigbar. Die Deutschen erhalten also für annähernd das gleiche Geld wesentlich mehr Services von ihrem Staat als die Amerikaner. Dafür geben die Amerikaner viel Geld für ihr Militär und die damit verbundenen Arbeitsplätze in der Industrie aus.

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