Informationen über mich im Internet – Selbsttest

Psycho Profile

Persönlichkeit Profil predictiveworld.watchdogs.com/de/

Big Data Sammler und Analysten halten sich vor den Wahlen meist zurück, gemäß der Devise von Mark Twain „Prognosen sind schwierig besonders wenn sie die Zukunft betreffen“.  Nach der Wahl sind sich aber Partei-  und Marketingstrategen einig, daß ihre Kampagnen die Wahl entscheidend beeinflusst haben. Man möchte ja seine Dienste bei der nächsten anstehende Wahl wieder verkaufen. Was weiß man im Internet eigentlich über uns?

Alice Greschkow weist in ihrem Blog Alice in Wonderland auf zwei Methoden zur Erstellung von Persönlichkeitsprofilen aus Facebook Daten hin. Die Systeme wurden an der University of Cambridge entwickelt und eignen sich für einen Selbsttest. Bei beiden Systemen muss man in Facebook das Profile und die Like Daten offenlegen oder angeforderte Daten eingeben.

Magic Sauce kann aus meinen minimalen Facebook Aktivitäten – ich „Like“ offensichtlich zu wenig – keine vernünftigen Schlussfolgerungen ziehen:

Response to Facebook Account: Sorry, we are unable to generate a prediction. An insufficient number of your Likes match with those in our database, and we don’t believe in guesswork. Please take our take more psychometric tests if you would still like to receive scientific feedback on your traits. Thanks!

Interessanter ist da das System Predictive World (Chrome Browser benutzen!). Das System stellt zunächst fest, daß meine Facebook Daten nicht ausreichen. Gibt man dann aber einige wenige Daten ein, erstellt Predictive World ein umfangreiches Profil. Offensichtlich nutzt dieses System nicht nur Facebook Daten sondern auch allgemeine Daten aus dem Web wie z.B. Alter, Wohnort usw. Zunächst werden aus den Ortsdaten (IP Adresse) allgemeine Statistikwerte abgeleitet – wie z.B. Einkommen (das macht die Schufa auch), Wahrscheinlichkeiten für Unfall, Einbruch etc. Das schafft Vertrauen. Positiv stimmt meine prognostizierte Lebenserwartung von 99 Jahren bei einem angenommenen Bierkonsum von 10 Flaschen pro Woche. Da kommen schon Zweifel auf – ich trinke lieber Wein. Überrascht ist man dann doch, dass das System meine Körpergröße und meine Gewicht ziemlich genau weiß. Meine Frau ist sicher beruhigt, liegt doch die Wahrscheinlichkeit einer Trennung unter 1%.

Der Anteil der richtigen Werte liegt ingesamt etwa bei 50%. Dieser Wert ist wahrscheinlich notwendig um über die Vertrauensschwelle beim Kunden solcher Psychogramme zu kommen. Die Kunst besteht darin, simple und komplexe Attribute gekonnt zu mischen. Komplexere Attribute sind meist falsch oder sind so allgemein, daß man daraus wenig über mein Verhalten aussagen kann.

Der Stand der Technik scheint mir aber ähnlich wie bei anderen Big Data Auswertungen zu sein. Die Methoden und Verfahren zur systematischen Auswertung von persönlichen Daten sind bereits auf hohem Stand. Es fehlen aber zuverlässige Daten über komplexe Verhaltensmuster. Je mehr Prozesse aber automatisiert werden, desto mehr detaillierte Daten fallen an und können dann analysiert werden. Selbst wenn man wie ich nur wenig  persönliche Daten ins Netz gibt, werden durch den Beruf und durch Freunde und Geschäftspartner immer mehr Daten für die Analyse im Netz auftauchen. Man wird sich dagegen kaum wehren können. Bei jedem „Like“ sollte man sich aber überlegen, wie das von automatischen Analyseprogrammen ausgewertet wird.

Gegen die Datenflut wird man sich als Einzelner kaum wehren können. Zum Schutz der Bürger sollte aber die Nutzung von persönlichen Daten in einer freien Gesellschaft eingeschränkt werden (ähnlich wie der Gebrauch von Waffen).

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Schäuble Autobahnpläne jetzt unter dem Tisch

freie_fahrtDie Pläne zur Privatisierung der neuen Autobahngesellschaft sind vom Tisch – so jubeln Parlamentarier und einige Journalisten und feiern den Sieg über den Finanztrickser Schäuble, der im Verdacht steht, ähnlich wie die bayrische Landesregierung den Banken und Versicherungen „todsichere“ Anleihen mit garantierter Rendite zu verschaffen. Bezahlen sollen das natürlich die Bürger über eine Autobahnmaut. Damit kann die Regierung eine staatliche Aufgabe, die eigentlich aus Steuern finanziert werden muss, an eine ausgelagerte Gesellschaft delegieren ähnlich wie bei der Eisenbahn und den Netzen für Funk, Strom, Wasser, Gas und Telekommunikation. Das bei der Infrastruktur gesparte Geld kann man dann jeweils vor den Wahlen an die Zielgruppen verteilen, die dann die vorsorgende Partei wählen sollen.

Nun hat man Herrn Schäuble verdächtigt, nicht primär das Wohl der Bürger sondern das Wohl von Banken und Versicherungen im Auge zu haben. Nun musste Herr Schäuble vermeintlich klein beigeben und darf die Autobahnen nicht an private Gesellschaften verkaufen. Banken und Versicherungen wollen aber gar kein Kapital im Straßenbau binden, sondern wollen nur Betreibergesellschaften und die Baukonsortien finanzieren. Über Service lassen sich viel bessere Renditen (ROI) erzielen als mit dem Erwerb von Immobilien, die Folgekosten verursachen und die man nicht verkaufen kann.

Wolfgang Schäuble hat bei den Verhandlungen etwas hergegeben, das er gar nicht haben wollte. Der Bund wäre in ein ähnliches Problem gelaufen wie die Regierung in Baden-Württemberg – man hätte für den erzielten Gewinn durch den Verkauf Steuernzahlen müssen! Der Bund sitzt nun zwar weiterhin auf dem toten Kapital, das in den Straßen steckt, den Gewinn aus dem Betrieb und die Mautgebühren kassieren aber private Unternehmen. Die Bürger dürfen diese Gebühren zusätzlich zu ihren Steuern abdrücken. Diese Zweitsteuern werden unabhängig vom Einkommen erhoben und sind besonders asozial. Der „kleine Mann“ zahlt immer mehr.

Siehe auch: Was steckt hinter den bayrischen Maut- und Energieplänen (2014)

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Da hilft nur noch beten – der Pensionskasse der katholischen Kirche fehlen 5.5 Milliarden €

us-pension-protestDie deutschen Gewerkschaften wollen ähnlich wie die amerikanischen Gewerkschaften eine durch Kapital abgesicherte Rente als Ergänzung der gesetzlichen Rente einführen. Frau Nahles macht da begeistert mit, kann sie doch damit Tatkraft und strategisches Denken zeigen. Die Versicherungsbranche ist begeistert, da man für diesen Ersatz der Riester Rente ja keinen teuren Direktvertrieb mit Maschmeyer und Co mehr braucht. Jetzt kann man mit riesigen Fonds größere Brötchen backen. Natürlich winken in den Aufsichtsräten des Rentenfonds schöne, gut dotierte Posten für verdiente Gewerkschafter und Politiker, die sich von den Versicherungen leicht über den Tisch ziehen lassen, da sie von den Abgründen der Finanzwirtschaft keine Ahnung haben.

Die amerikanischen Gewerkschaftler sind da schon weiter. Nachdem die Babyboomer fleißig in die Funds einbezahlt haben kommt jetzt die Phase der Auszahlungen. Mit Verblüffung stellen die Arbeiter aber fest, dass das Geld von den Verwaltern durch hohe Gebühren und Verlustgeschäfte bei vielen Funds weitgehend vernichtet wurde. Pensionen werden gekürzt und das Restgeld reicht oft nur noch für 10 Jahre. Besonders schlecht schneiden die Rentenfunds der Gewerkschaften ab. Die amerikanischen Gewerkschaften haben mit Unternehmen exklusive Rentenverträge abgeschlossen an denen nur Gewerkschaftsmitglieder teilnehmen durften. So wollten die Gewerkschaften ihre Stellung und ihre Stellung im Unternehmen sichern. Häufig werden auch Aktien des eigenen Unternehmens gekauft um Entscheidungen des Unternehmens zu beeinflussen die Gewerkschaftsmitglieder betreffen. Das amerikanische, gewerkschaftliche Pensionssystem ist äusserst komplex. Große Firmen haben meist eigene Pensionspläne für alle Mitarbeiter nicht nur Gewerkschaftsmitglieder. Die Pensionsfunds müssen in Teiten der Niedrigzinsen höhere Risiken eingehen umd zahlungsfähig zu bleiben. Das kann aber auch schief gehen. Der Trend geht bei den großen Firmen in USA aber auch in Detschland dahin, daß sich die Firmen total aus der Firmenrente zurückziehen. Die Mitarbeiter erhalten einen Betrag als Teil des Lohnes und können diesen beliebig anlegen.

Die deutsche gesetzliche Rente ist da vermeintlich viel sicherer. Es gibt aber auch in Deutschland kapitalgedeckte Versicherung für „privilegierte“ Gruppen wie z.B. Ärzte, Rechtsanwälte und Selbständige. In der Pensionskasse der katholischen Kirche fehlen jetzt 5.5 Milliarden €. Das ist zum Glück nicht weiter schlimm, wartet doch für die Frommen der Gotteslohn wenn sie durch das Nadelöhr in den Himmel kommen. Die Banker und Fond-Manager, die ihnen ihr Geld abgenommen haben, werden sie im Himmel wohl nicht treffen.

 

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Puerto Rico Bankrott

Puerto Rico ist ein Beispiel für Staatsverschuldung, die ausser Kontrolle geraten ist. Da Staaten nach den bestehenden Gesetzen nicht bankrott gehen können wird einfach weiter gewurstelt. Die US Regierung hilft nicht aus!

http://theweek.com/articles/614667/puerto-rico-crisis-explained

Hintergründe
Die nächsten Kandidaten für einen Grossausfall von Krediten in Europa sind Island und Österreich 

(wegen der vielen gefährdeten Bankkredite gen Osten – Hypo Adria lässt Seehofer und seine CSU Strategen freundlich grüssen)

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Haß und Lügen im Internet – ein Problem der Strafverfolgung

Paragraph ZeichenVerbreitung von Lügen und Haß ist seit Jahrhunderten eine beliebte Tätigkeit der Menschen und ihrer Lobbygruppen (Nachbarn, Kirche, König, Kaiser, Regierung…) und haben in der Vergangenheit zu privater Armut und Reichtum sowie zu Kriegen und Revolutionen geführt. Zur Zeit feiern wir Martin Luther, der als Privatmann zumindest gegen einige Lügen der Herrschenden protestiert hat. Sein Einfluß auf das Weltgeschehen ist wahrscheinlich größer als der von Facebook heute. Sicher ist aber daß nicht Facebook und das Internet die Ursache für die Niedertracht der Menschen sind. Da wir heute in einem Rechtsstaat leben ist die Rechtslage zumindest in Deutschland relativ einfach. Jeder Bürger darf seine Meinung frei äußern solange er nicht die Rechte anderer Bürger verletzt oder gegen bestehende Gesetze verstößt. Die Presse hat einen eindeutig Verantwortlichen für die publizierten Inhalte der Zeitung zu benennen. Autoren der Artikel werden genannt – Leserbriefe werden nur mit Namen veröffentlicht.

Ganz ähnlich sind die Verhältnisse im Internet. Jeder Betreiber einer Internet Domain, wie z.B. die hier benutzte Domain wordpress.com, ist rechtlich dafür verantwortlich, die Regeln für die Nutzung der Domain (Zeitung) mit Subdomains (z.B. freieabgeordnete.wordpress.com) aufzustellen und zu überwachen. Ganz ähnlich wie eine Zeitung ihre Leserbriefe überwacht. Betreibt man eine Subdomain wie z.B. diesen Blog, muss dieser technisch gegen SPAM und unerwünschte, automatische Eintragungen geschützt werden. Nur geprüfte Kommentare sollten veröffentlicht werden, da ich leztendlich für den Inhalt meines Blogs verantwortlich bin. Der Verantwortliche für jede Subdomain ist bekannt und kann jederzeit gerichtlich belangt werden. Leider gibt es geschäftstüchtige Anwälte, die mit Massenklagen Geld verdienen wollen. In Deutschland gibt es kein Gesetz daß diesen Mißbrauch straft. Für unsere Gesetzgeber ist das Internet noch weitgehend Neuland.

Nationale Gesetze sind im Internet nur begrenzt wirksam. Nationale Gesetze sind anzuwenden, wenn z.B. ein deutscher Bürger gegen einen anderen deutschen Bürger klagt. Im Internet gibt es nun einige technische Details, die von den bestehenden deutschen Gesetzen nicht erfaßt werden. Sobald man einen realen Namen mit Telefonnummer und Email Adresse ins Internet stellt wird man mit unberechtigten Anrufen und Email bombardiert. Hierfür gibt es in Deutschland kein zum Hausrecht analoges Gesetz zum Schutz der Internet Wohnung. Belästigung im Web  kann man vermeiden indem man seine persönlichen Daten, wie in USA möglich, bei einem Notar hinterlegt, der die Daten nur bei berechtigten Anforderungen weiter gibt. Ähnlich wie bei einem Brief ohne Absender kann man im Internet anonym oder mit falschen Absender Informationen verbreiten. Anonymität ist in einer Demokratie ein wesentliches Grundrecht. Meines Wissens ist das Recht auf Anonymität aber nicht in einem deutschen Gesetz garantiert.

Rechtlich und technisch sind die Verhältnisse in Deutschland klar. Problematisch wird es aber bei den Inhalten. Meist sind die meisten veröffentlichten Informationen nicht eindeutig durch die Begriffe wie Lüge, Haß oder Beleidigung usw erfassen. Die geltende Rechtslage erlaubt z.B. die Lüge mit wenigen Ausnahmen (z.B. die Holocaust Lüge) wenn sie vereinfacht niemandem schadet. Rechtsanwälte haben bei der Verteidigung eines Klienten sogar ein Recht auf Lüge.  Nur Lügen, die unter Eid gemacht werden, sind strafbar.

Die meisten Lügen in der Presse und in der Politik fallen in die Rubrik „Eine halbe Wahrheit ist auch eine Lüge“. Täglich werden in Zeitungen, im Fernsehen und im Internet solche Lügen veröffentlicht. Schöne Beispiele findet man heute bei den Themen Automobil (Abgas, eAuto), Klimawandel (Energiewende), Flüchtlinge usw. Diese Lügen werden häufig nicht mit Absicht oder sogar mit guter Absicht gemacht. Es gibt aber professionelle Lügner, die ganz bewußt lügen und es gibt genügend Menschen die diese Lügen für die Wahrheit halten.Im Internet Zeitalter gibt es beliebig viele Methoden Lüge zu verbreiten.

Die Wahrheiten der verschiedenen Themen sind meist so komplex, daß selbst Spezialisten nur gewisse Details kennen, und Autoren den Tatbestand nicht so erfassen und zielgruppengerecht darstellen können. Eigentlich hilft nur eine offene Diskussion um der Wahrheit näher zu kommen. Diese offene Diskussion ist aber bei vielen unerwünscht.

bild-blockerMit vielen Tricks wird z.B. versucht das zitieren von Text-, Bild- und Video- Informationen zu verhindern. Klassisch hatte die Obrigkeit, die Kirchen oder später Zensurbehörden das Recht freie Meinungsäußerungen zu beschneiden. Die Möglichkeit seine freie Meinung zu äußern ist eine relativ neue Errungenschaft, die auch heute in vielen „demokratischen Staaten“ durch Zensur und Sperre der Veröffentlichung eingeschränkt wird.

In Deutschland hat jeder Bürger das Recht bei falschen Behauptungen (auch im Internet) , die seine Person betreffen auf Gegendarstellung und Unterlassung zu klagen. Hierfür muss er eine Polizeidienststelle aufsuchen und eine Klage aufgeben. Der diensthabende Polizist wird ihm dabei klarmachen, daß seine Klage wenig Aussichten auf Erfolg hat und sehr hohe Gerichtskosten für die Bearbeitung (> 1000 €) anfallen.  Das ist natürlich eine Perversion des Rechts wenn man formal Rechte hat, diese aber faktisch nicht durchsetzen kann.

Nun ist es im Webzeitalter ein Unding, daß unsere Rechtssprechung mit den Methoden des letzten Jahrhunderts arbeitet. Eine einfache Anzeige im Internet müßte eigentlich ausreichen für eine Unterlassungsklage ausreichen. Mit modernen Methoden kann man die Anzeige automatisch bearbeiten – die Beweise sind ja im Internet verfügbar! Strittige Fälle kann man über eine Schlichtungsstelle und letztendlich ein Gericht klären.

Wir sollten nicht zulassen, daß der Staat die Durchsetzung unserer Grundrechte an eine Private Firma delegiert.

PS Dieser Blog wird seit mehreren Jahren betrieben. SPAM fällt täglich an und wird automatisch entfernt. Kommentare, die nicht der Etikette entsprechen und korrigiert werden müssen, sind sehr selten. Allerdings fallen immer wieder automatisch generierte Kommentare auf, die versuchen Werbung in den Kommentaren zu platzieren. Auch dagegen gibt es kein Gesetz.

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Lehre für Bundestagswahl 2016 – Wahlkreis Kandidaten werden wichtiger

Reichstag_1Unsere Parteien geben sich der Illusion hin, daß die Wähler Parteien und nicht Abgeordnete wählen. Unser Wahlrecht sieht vor, daß die Hälfte der Kandidaten in den Wahlkreisen direkt gewählt und die andere Hälfte über Parteilisten in den Bundestag einzieht. Meist wird aber die Wahl des Wahlkreiskandidaten von den Parteispitzen manipuliert. Bei der AfD streicht der Vorstand schon mal einen gewählten Kandidaten von der Liste. Es gibt auch bei den etablierten Parteien eine Vielzahl von Tricks wie ungeliebte Kandidaten vergrault werden können. Typisch wählen etwa 100 Parteimitglieder, Durchschnittsalter zwischen 50 und 60 Jahren,  den Wahlkreiskandidaten einer Partei. Da tauchen plötzlich vor der Wahl neue Mitglieder auf (meist Studenten, die nur geringe Beiträge bezahlen müssen),  werden Wahlgänge für ungültig erklärt, wenn die meisten Mitglieder schon nach Hause gegangen sind, da findet die Parteispitze noch in letzter Minute einen Quereinsteiger usw.

Das größte Problem ist aber, daß es in den Parteien kaum noch Mitglieder gibt, denen die Bürger ihre Stimme geben wollen. Hat man einen schlechten Kandidaten (Hinz und Kunz – Dampf und Dumpf) im Wahlkreis, färbt das leider auch auf die Zweitstimmen ab. Den Wählern ist wichtig, daß ihr Bundestagsabgeordneter zunächst einmal die Interessen ihres Wahlkreises vertritt. Ein schwacher Abgeordneter kann wenig für seinen Wahlkreis tun.

Typisch haben die großen Parteien bisher mehr Erst- als Zweitstimmen erhalten. „Stammwähler“ geben ihrem Kandidaten und dessen Partei die Erst- und Zweitstimme Viele wissen gar nicht, daß sie ihre Stimme auch splitten können. Dazu erhält ein guter Kandidat noch Erststimmen von den kleineren Parteien. In der heutigen Parteienlandschaft (außer wohl in Bayern)  kommt auch eine große Partei nicht mehr über 40% der Wählerstimmen. Da braucht es schon einen guten Kandidaten um den Wahlkreis zu gewinnen.

Die SPD in Rheinland-Pfalz sucht bereits gute Wahlkreiskandidaten im Internet, da sie selbst keine Kandidaten hat, die gegen die CDU Platzhirsche gewinnen könnten. Mit ein paar Gewerkschaftlern oder Sozialaktivisten kann man heute die Mehrheit der Wähler nicht mehr gewinnen.  Der typische Parteikarrierist als Teil des „Systems“ ist heute nicht automatisch beliebt. Ähnlich wie in USA wird sich der Wahlkampf mehr auf die Personen als auf die Inhalte konzentrieren. Bei den zu erwartenden Koalitionen mit mindestens drei Partien können einige wenige vernünftige Freie Abgeordnete die Politik wesentlich beeinflussen wie z.B. die zwei unabhängigen Senatoren im US Senat.

Bei der Wahl2017 haben auch in Deutschland unabhängige, freie (Independent) Kandidaten eine Chance einen Wahlkreis zu gewinnen. Damit besteht eine Chance die Zahl der Überhangmandate im Bundestag zu verringern und einen aufgeblähten Bundestag mit 700 Abgeordneten zu verhindern. Das amerikanische Wahlrecht limitiert die Zahl der Abgeordneten (House 435, Senate 100) für 319 Millionen Einwohner. 700 Abgeordnete für 81 Millionen Deutsche sind da wohl nicht wirklich notwendig.

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Unabhängige (Independent, Green) Kandidaten entscheiden US Präsidentenwahl 2016

us-flagIn Deutschland sieht man die US Präsidentenwahl vereinfacht als ein Rennen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Das amerikanische Wahlsystem sieht aber ähnlich wie unsere Wahlordnung für den Bundestag auch unabhängige (3rd Party) Kandidaten vor. 2016 waren Gary Johnson (Libertarian) und Jill Stein (Green) die prominentesten unabhängigen Kandidaten. In der Geschichte der USA war George Washington der einzige Kandidat, der Präsident wurde. Zur Gründungszeit der USA, als das Wahlrecht geschaffen wurde, dachte man noch nicht an Parteien. Man stellte sich vor dass ausgewählte Männer der einzelnen Staaten zusammenkommen und den Besten zum Präsidenten wählen. Die Zeiten haben sich da in USA ganz offensichtlich gewandelt – aber auch in Deutschland nach der Wahl des 1. Bundestags, in dem es noch viele unabhängige Kandidaten gab, die unser Grundgesetz wesentlich beeinflußten.Von da an ging’s bergab mit den unabhängigen Abgeordneten und die Parteifunktionäre haben die Macht übernommen  z.B. bei der anstehenden Wahl des Bundespräsidenten.

Bei der US Wahl2016 Hillary Clinton bei knappem Wahlausgang u.a. in Florida (ebenso Michigan, Wisconsin und Pennsylvania) verloren weil 270 000 Stimmen an Johnson und Stein gingen. Die Wähler, wollten damit gegen die Nominierung von Hillary Clinton protestieren und wussten genau, dass sie damit die Chancen von Donald Trump erhöhten. Es handelt sich dabei ganz offensichtlich um Protestwähler, die mit der Auswahl des Kandidaten der demokratischen Partei nicht einverstanden waren. Mit diesen Stimmen wäre jetzt Hillary Clinton und nicht Donald Trump Präsident. Nun beklagen sich die Demokraten, daß eine geringe Zahl von „untreuen“ Wählern die Wahl entschieden hat. Ein Autor, der als einer der ersten diesen Aspekt der Wahlen beschrieben hat, vertritt die wohl richtige Meinung daß ein Bürger, der eine Waffe tragen darf, auch mit seiner Stimme machen kann was er will. Das ist wohl Freiheit.

Das ist eine deutliche Warnung auch an unsere Politiker, daß man Minderheiten mitnehmen und nicht ausgrenzen sollte. Manchmal braucht man sie auch.

PS In Deutschland bestimmen im wesentlichen die Mitglieder der Parteien von CDU(444 000) und SPD (443 000) wer für den Bundestag kandidieren darf.  Dabei nehmen sicher weniger als 50% bei der Wahl des Wahlkreiskandidaten und weniger als 10 % bei der Aufstellung der Parteilisten teil. Die Resultate sind meist wenig beeindruckend.

 

Nominierung eines CDU Kandidaten – Leonberg (172 Stimmen für den Kandidaten)

Hinz und Kunz, Dampf und Dumpf in den Bundestag

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Eingeschränkte Demokratie bei der Aufstellung zu Bundestag- und Landtagwahl

Reichstag BerlinWer stellt eigentlich die Kandidaten für unsere Parlamente auf – ist das noch Demokratie? 700 Bundestagsabgeordnete verhindern  durch Wahl parteiloser Kandidaten.

Die Wähler in USA wundern sich zur Zeit, wie es dazu kommen konnte, daß sie nur zwischen zwei ziemlich ungeliebten Kandidaten für das Präsidentenamt wählen konnten. Theoretisch kann jeder US Bürger für einen Kandidaten seiner Wahl stimmen. Durch das Parteien- und Vorwahlsystem der USA, können die Bürger dieses Recht aber nur eingeschränkt und indirekt wahrnehmen. Immerhin können alle US Bürger, auch wenn sie nicht Parteimitglied sind, an der Vorwahl teilnehmen. Zusätzlich können auch unabhängige (independent) Kandidaten für das Präsidentenamt oder für einen Sitz im Kongress oder im Senat kandidieren.

Der bekannteste unabhängige Politiker der USA ist wohl Bernie Sanders  der als unabhängiger Senator von Vermont fast Kandidat der Demokraten geworden wäre. Er hätte bei den einfachen Leuten sicher bessere Chancen gehabt als Hillary Clinton. Leider hatte er aber nicht die Unterstützung der mächtigen Geldgeber.

Eine ähnliche „Friß Vogel oder stirb“ Situation ergibt sich in Deutschland bei der Wahl des Bundespräsidenten. Der Kandidat wird zwischen den Parteien vorab ausgeklüngelt. Er sollte möglichst schwach sein und die „richtige“ Politik möglichst wenig stören. Die Wahl ist dann meist nur noch eine Farce.

In Deutschland definiert das Grundgesetz einige grundlegende Regeln für Wahlen zu den Parlamenten in Bund und Länder sowie in den Gemeinden. Die detaillierten Wahlverfahren werden aber von den jeweiligen Parlamenten selbst bestimmt. Bei den Gemeinderatwahlen haben sich Wahlverfahren etabliert, die den Bürgern erlauben, nicht nur eine Partei, sondern z.T. auch Kandidaten auf den Parteilisten auszuwählen. Die Bürger sind damit direkt beteiligt und meist auch zufrieden. Die großen Parteien im Bund und den Ländern versuchen sich aber Vorteile durch Änderung des Wahlverfahrens zu verschaffen, sobald es die Zusammensetzung des Parlaments das erlaubt. Speziell in den Ländern haben sich dadurch zum Teil absurde Regeln für die Durchführung der Wahlen etabliert.

Der Trend geht aber dahin, die Möglichkeiten der Wähler, einen bestimmten Kandidaten zu wählen, einzuschränken. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg gibt es keine Erst-und Zweitstimmen. Man eine naive „Naturfreundin“ wählen, wenn man eigentlich nur die Grüne Partei wählen will. Kandidat und Partei sind bei der Wahl fest verbunden. In der heutigen Parteienlandschaft kann man in vielen Wahlkreisen bereits mit weniger als 30% der Wählerstimmen ein Direktmandat erringen. Bei kleineren Parteien kommen alle Abgeordneten über die Zweitstimme und Parteilisten ins Parlament. Bei der Aufstellung der Parteilisten sind die Parteioberen sehr kreativ bei den Methoden zur Aufstellung der Listen. Mit Basisdemokratie hat das meist wenig aber viel mit Intrigen, Mobbing usw zu tun.

Beim Wahlverfahren für den Bundestag ergibt sich eine skurrile Situation. Kleine Parteien z.B. die SPD oder die Grünen in Baden Württemberg sind gar nicht daran interessiert Wahlkreise über die Erststimme zu gewinnen. Hierfür muss man einen guten Kandidaten finden, der bereit ist, viel Zeit und auch eigenes Geld in den Wahlkampf zu investieren. Gewinnt solch ein Kandidat auch noch die Wahl dann wird er selbstbewußt und läßt sich nicht beliebig von der Parteiführung gängeln. Da konzentriert man sich lieber auf die Zweitstimme mit der die Kandidaten über die Parteiliste ins Parlament kommen können. Meist sind das stramme Parteisoldaten. Werden in einem Bundesland mehr Kandidaten direkt gewählt als der Partei gemäß der Zweitstimmen eigentlich zusteht, gibt es Überhangmandate. Da jubeln dann die Hinterbänkler auf den Parteilisten. Bei der Bundestagswahl 2013 führten 4 Überhangmandate der CDU zu 29 Überhangmandaten im Parlament. Anstatt der offiziellen Zahl von 598 Abgeordneten hatten nun 631 Abgeordnete einen Anspruch auf einen Platz im Parlament.

Ein schönes Beispiel für die Auswirkung der Überhangmandate liefert Bayern. Bei der Bundestagswahl 2017 stehen Bayern 46 direkt gewählte Abgeordnete und 46 „Listen“ Abgeordnete zu. Erringt die CSU alle Direktmandate erhält aber z.B. nur 40% der Zweitstimmen (SPD 30%, Grüne 20%, AfD 10%) muss die Zahl der Abgeordneten aus Bayern auf 115 erhöht werden, damit die CSU nicht mehr als 40% der Abgeordneten aus Bayern stellt. Man benötigt also 13 Überhangmandate, die von den Parteilisten der kleinen Parteien gefüllt werden. Ein cleverer SPD Anhänger wählt z.B. mit der Erststimme den CSU Kandidaten und mit seiner Zweitstimme die SPD, um möglichst viele bayrische SPD Parteisoldaten in den Bundestag zu schicken.

Je zersplitterter die Parteienlandschaft  ist, desto mehr Überhangmandate gibt es. Bei der Bundestagswahl 2017 befürchtet man, dass durch Überhangmandate bis zu 700 Abgeordnete im Parlament sitzen könnten, was sicher einigen Unmut beim Wahlvolk erregen wird.

Der Wähler kann gegen diesen Unsinn dadurch angehen, daß er einen unabhängigen Kandidaten mit seiner Erststimme wählt. Die Chancen für parteiunabhängige Kandidaten stehen 2017 recht gut. Schließlich gibt es in Deutschland z.B. viele parteilose Oberbürgermeister Da sollten sich genügend parteilose Kandidten für den Bundestag finden lassen. Die Parteien würden aber gerne die Wahl von Direktkandidaten bei einer Änderung der Wahlordnung abschaffen.

Wird ein unabhängiger Kandidat in den Bundestag gewählt, entsteht auch ein Überhangmandat. Allerdings kommt es nicht zu der Lawine von Ausgleichsmandaten über die Parteilisten. Wären z.B. 2013 vier unabhängige Kandidaten anstatt vier CDU Kandidaten gewählt worden, wären nur 4 zusätzliche Abgeordnete in das Parlament eingerückt anstatt 29. Wird ein parteiloser Kandidate gewählt, so zählt seine Zweitstimme nicht. Ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz!

Schon zehn  gewählte Direktkandidaten könnten die Explosion der Zahl der Abgeordneten in Deutschland verhindern. So viele „Bernie Sanders“ sollte man in Deutschland doch finden können.

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Besserwissi Gabriel scheitert mal wieder in China

China Quelle ARD: Global Player

Global Player

Wirtschaftsminister Gabriel ist innerhalb der Bundesregierung wohl der Meister im Fettnäpfchen treten. Meist sind seine Auftritte und Fehltritte harmlos weil er nur immer wieder beweisen will, daß er der Schlaueste und Klügste ist. Die Medien berichten auch immer genüsslich darüber und damit hat Herr Gabriel sei Hauptziel erreicht.

Ich hatte im Lauf meiner Berufslaufbahn mehrfach das Vergnügen Herrn Gabriel bei Vorträgen oder Besprechungen über Zukunft der IT in Deutschland und speziell bei Behörden kennenzulernen. Dabei viel auf, daß Herr Gabriel von sehr schneller Auffassungsgabe ist. Innerhalb von einigen Minuten macht er sich ein Bild des Sachverhaltes und verkündet sofort was Sache ist obwohl er eigentlich noch nichts verstanden hatte. Abwarten und gründlich verstehen ist Herrn Gabriels Ding nicht. Schon als junger „Landesvater“ in Niedersachsen hat er sich mit einer Entourage umgeben, die zwar heimlich das Gesicht verzog wenn Herr Gabriel seine Erkenntnisse absonderte –  Widerspruch gab es aber nicht und wurde auch nicht geduldet.

Mit dieser Haltung und Einstellung kann man in Deutschland offensichtlich Minister werden – auch Minister anderer Parteien haben ein ähnliches Selbstverständnis. Geradezu peinlich wurde der Auftritt des Selbstdarstellers in China. Minister Gabriel wurde dafür auch gleich mit Verachtung bestraft. Leider war Herr Gabriel nicht als Privatmann, sondern als Vertreter der deutschen Regierung unterwegs. Offensichtlich hat er sich nicht beraten lassen wie man in China auftritt und wie man dort verhandelt. Er hätte sich zumindest vorher den Film „Global Player“ anschauen sollen um wenigstens eine Ahnung zu bekommen wie man in China auftritt.

PS Die Firma Merz, die den Hintergrund für den „Global Player“ lieferte, gibt es seit 1900 – ein Beispiel für aus England importierte Innovation und Jahrzehnte solider schwäbischer Wirtschaftspolitik auch in schwierigen Zeiten.

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Deutsche Idiotologie Verdichtung im Städtebau – so wohnt Hillary Clinton

Clinton Home in Chappaqua, N.Y.

Clinton Home in Chappaqua, N.Y. Old House Lane 15

In Deutschland wird sehr viel über die Gegenwart und die Vergangenheit diskutiert. Die Zukunft findet eigentlich nur Erwähnung als drohender Untergang durch den Klimawandel und Bedrohung der deutschen Automobilindustrie durch eAutos. Obwohl wir Ministerien für Bau und Verkehr haben gibt es in Deutschland keine konstruktive Diskussion über die Art und Weise wie wir in Zukunft leben wollen. Man nimmt an, daß in Zukunft alle Deutschen sehr beengt in Großstädten leben wollen. Wichtig ist, daß die Wohnungen gut isoliert, künstlich belüftet, möglichst aufwendig im Unterhalt sind und die Umwelt möglichst wenig belasten.

Böbingen

So wohnt der Mittelstand in Deutschland

Ein optimiertes neues Wohnquartier sieht dann so ähnlich aus wie dieses Neubauviertel in Böblingen, dessen Architektur sich an der Käfighaltung von Hühnern und den Hinterhöfen der Berliner Gründerzeit orientiert. Das verblüffende ist, daß die Bewohner dieser Viertel sich als Vorreiter der Grünen Ideologie sehen, in der sich der Mensch mit seinen Bedürfnissen der „Natur“ unterordnet, möglichst wenig Fläche und Resourcen verbraucht und die freien Flächen in Deutschland den Landwirten überläßt, die auf den leeren Fluren mit Hilfe von Kunstdünger und Unkrautvernichtern Lebensmittel erzeugen, die von der Generation Bio nicht gegessen werden.

Ganz anders ist das Heim der Familie Clinton, das etwa eine halbe Stunde Autofahrt nördlich von Manhattan in Chappaqua in einer Waldlandschaft mit klaren Bächen und fischreichen kleinen Teichen liegt. Das hundertjährige Haus ist umweltschonend aus Holz gebaut, wird ohne Emissionen beheizt (ab und zu brennt aber das Holz der Wildkirsche vom eigenen Grundstück im Kamin), und hat 1990 nur 1,7 Millionen $ gekostet. Abends treten dort die Rehe aus dem naturbelassenen Wald auf die Wiesen, viele Vogelarten halten sich in den Wäldern und Gewässern auf. Ab und zu schleicht auch das Traumtier der deutschen Grünen, der Wolf, durch den Wald. Im Herbst sieht man mit etwas Glück sogar Bären. Die Mehrzahl der Bewohner arbeitet in der Nähe in den Zentralen von großen Firmen und in Forschungslabors. Wer nach New York muß, fährt mit dem Auto zu nahegelegenen Bahnhöfen mit riesigen Parkplätzen und von dort in 20 Minten nach Manhattan, läßt sich vom Chauffeur in der Limousine nach New York bringen oder fliegt mit dem Helikopter direkt nach Manhattan. Am Abend ist man mit dem Auto in einer halben Stunde in New York und kann dort am kulturellen Leben teilhaben, solange die Kreditkarte gedeckt  ist. Die Kinder werden mit Schulbussen direkt vom Haus zur Schule und am Nachmittag nach Hause gebracht, wo die Mama oder das Kindermädchen auf die Kleinen wartet. Da es in der weiteren Umgebung (z.B. in Ossining Heimat von Sing Sing) genügend arme Leute gibt, ist es kein Problem Hauspersonal zu bekommen. Für die Clinton’s gibt es eigentlich nur ein kleines Problem – der nächstgelegene Golf & Country Club gehört Donald Trump. Ich selbst hatte das Glück in den 70er Jahren in dieser Traumgegend mit meiner Familie zwei  Jahre auf einem großen Grundstück mit Aussicht auf Wald, Wiese und Bach zu leben. Als wir das Haus verlassen und wieder nach Deutschland ziehen mussten, hatte die ganze Familie Tränen in den Augen.

Eigentlich müsste es der Traum jedes Grünen sein, so zu wohnen wie die Clintons. Offensichtlich haben die Deutschen aber während der Romantik genug vom Leben in der Natur geträumt, daß sie sich jetzt der Ideologie der vermeintlichen Schonung der Natur hingeben. Dabei werden z.B. die Häuser um Chappaqua völlig CO2 emissionsfrei vom nahegelegenen Atomkraftwerk Indian Point mit Strom auch zur Heizung versorgt. Die meisten Straßen sind nicht geteert – ein Traum für deutsche SUV Enthusiasten besonders im Winter wenn die Straßen nicht geräumt werden. Viele Bewohner müssen für die Arbeit nur selten das Haus verlassen da man international meist über das Internet arbeitet und kommuniziert. Ganz Fortschrittliche fahren jetzt mit einem eAuto emissionsfrei zur Arbeit und zum Vergnügen.

In Deutschland werden mit der Ideologie der Nachverdichtung die letzen Grünflächen in den Städten vernichtet. Das alte Argument, daß die Wohnung in der Nähe des Arbeitsplatzes sein sollte, zieht nicht mehr, da es in der Stadt immer weniger Arbeitsplätze gibt. Jetzt pendeln die Städter zu den Arbeitsplätzen aufs Land. Fraglich ist auch ob die Landwirtschaft auf ausgeräumten Großflächen die Umwelt mehr schont als locker bebaute Wohnparks in denen die Landwirte die Landschaft umweltschonend pflegen. Auf einigen aufgelassenen Truppenübungsplätzen scheint sich in Deutschland auch eine solche aufgelockerte Siedlungsform zu entwickeln.

Die Gegend um Chappaqua zeigt exemplarisch wie das funktionieren könnte. Am Anfang stand die Vertreibung der angestammten Einwohner, der Indianer. Dann wurde das Gelände gerodet und für die Landwirtschaft zur Versorgung der Metropole New York genutzt. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn und der Motorschiffe konnten die Lebensmittel kostengünstig über größere Strecken transportiert werden. Die Bauernhäuser verfielen, auf den Grundstücken wuchs wieder natürlicher Wald und mit dem Aufkommen der Automobile zogen die New Yorker in die Idylle ein. Zunächst die armen Leute und Künstler, die dann anschließend von den Reichen vertrieben wurden. Die Armen mussten wieder nach New York und hausen dort in beengten Verhältnissen.

In einem Science Fiction Roman, den ich vor längerer Zeit gelesen habe, wurde die schöne neue Welt, die wir offensichtlich in Deutschland verwirklichen wollen, ganz gut beschrieben. Die „fortschrittlichen“ Bürger wohnten „gut integriert“ in den Städten, die den Großstädten in Japan und China gleichen. Mangels eigenem privatem Raum strömen die Menschen nach der Arbeit auf die Straßen, gehen keine Beziehungen zum anderen Geschlecht mehr ein, vereinsamen und hängen seltsamen und narzisstischen Kulten an. Im Sience Fiction Roman gab es einen [6] Knopf an der Kleidung, der selbst oder von anderen betätigt werden konnte. Damit konnte man die gängigen Sexpraktiken ohne Körperkontakt nachbilden. Die Bürger wurden mit künstlicher, in großen Fabriken hergestellter Nahrung versorgt. Natürliche Nahrung wurde von der Wissenschaft als gefährlich und als Auslöser von Krebs und Alzheimer erkannt und durch autophage, optimierte künstliche Nahrung (All artificial, no natural ingredients added) ersetzt. Die Vertreter dieser Lehrmeinung waren die „Phagies“. Durch die Einführung der autophagen Nahrung wurden die Probleme der Ernährung der Weltbevölkerung gelöst und die gefährlichsten Krankheiten ausgemerzt.

Von den Fenstern ihrer Wohnwaben konnten die „Phagies“ in der Ferne die Holzhäuser der rückständigen „Bios“ sehen aus deren Kamin Rauch aufstieg und die ihre ungesunde Bio Nahrung  wie in alten Zeiten selbst produzierten. Dieser Minderheit fühlten sich die Phagies weit überlegen. Im letzten Kapitel des Science Fiction Romans stellte sich aber heraus, daß die Bios im Besitz aller Aktien waren und im kleinen Kreis am offenen Kamin die Gemeinschaft der Phagies steuerten.

In Deutschland rutscht man in eine solche Kultur hinein. Eine Diskussion über die Möglichkeiten, die wir mit Internetwirtschaft, emissionsfreien, autonomen  Fahrzeugen und neuen Methoden zur Erzeugung von Nahrung schöner und naturnah leben könnten scheint niemand zu interessieren.

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